Mein Pferd bettelt beim Putzen – mit diesen 6 Tipps steht dein Pferd!

Kaum bindest du dein Pferd am Putzbalken an, geht es auch schon los: Da fliegen die Beine hoch und mit lautem Knall landet der Huf auf dem Boden. Diese Ausdauer legt dein Pferd sonst nie an den Tag – klar, dass das nervt und du dich fragst, wie du dieses Betteln deinem Pferd schnell abgewöhnen kannst.

Unser erstes Pferd war ein absoluter Super-Bettler. Wir haben viele Tricks und Tipps ausprobiert, am Ende ist das Thema Betteln hausgemacht und meist durch uns Menschen angewöhnt.

Wie kann man seinem Pferd das Betteln am Putzplatz abgewöhnen? Stecke deinem Pferd nicht ständig Leckerlies zu, ermahne es nicht, wenn es bettelt und niemanden in Gefahr bringt. Versuche lieber, dein Pferd genau dafür zu loben, sobald es aufhört und ruhig steht. Mit Geduld kommst du bei diesem Flegelverhalten am weitesten.

Tipp 1: Weg mit den Leckerlies!

Dein Pferd mag sie sehr gerne: die Leckerlies. Es frisst dir förmlich aus der Hand und würde alles machen, solange es nur an die Süßigkeiten kommt.

Wer seinem Pferd ständig etwas zusteckt, kann sich unter Umständen ein gieriges und schnappendes Pferd erziehen, ohne es zu merken. Bei der Fütterung aus der Hand verlieren viele Pferde schnell die Distanz und nähern sich schnell immer mehr.

Zunächst kommt dein Pferd näher, schnüffelt an deiner Jacke, später schnappt es selbstbewusst nach deiner Hand.

Ob du so weit gehen möchtest, komplett auf Leckerlies zu verzichten, musst du selbst entscheiden.

Wir sehen einen ganz klaren Zusammenhang zwischen der gefütterten Menge an Leckerlis und dem Aufdrängen der Pferde.

Einige Trainer vergleichen dies mit dem Leittier in der Herde. Hier teilt auch niemand sein Futter mit den anderen. Sobald das Kommando „Abstand“ kommt, da wird sich in der Herde daran gehalten. Dies gibt klare Kommunikationsläufe.

Sollte dein Pferd beim Füttern aus der Hand also einfach zu gierig werden, dann gibt es einen einfachen Trick:

Füttere nur noch aus Schüsseln, vom Boden oder beginne das Clickern.

Zum Clickern benötigst du den Clicker an sich, der bei Betätigung ein „Klick“ von sich gibt. Zusätzlich noch kleine gesunde Leckerchen, wie Möhre, Äpfel oder spezielle Clickerleckerlie. Wir achten immer auf Produkte ohne Zuckerzusätze, wie die von Agrobs: Wölbchen Bussi Clickerleckerlies*.

So konditionierst du dein Pferd weg von der Hand als Leckerliespender und hin zu mehr Abstand. Es achtet auf den Clicker und kann nach einiger Zeit nur durch das Geräusch belohnt werden. Damit kriecht dein Pferd schon bald nicht mehr in deine Tasche, denn daraus bekommt es ab jetzt nichts mehr.

Tipp 2: Das ewige Ermahnen bringt dich nicht weiter. Wirklich nicht.

Wir kennen es alle: Sobald das Pferd mit dem Betteln anfängt, rufst du ganz laut Neeinn. Oder alternativ Stopp, lass das oder Mopppelchen.

Hört dein Pferd durch das Ermahnen auf? Hört es nur für den Moment auf oder ist die Verhaltensänderung nachhaltig?

Meist findet genau das Gegenteil von dem statt, was du eigentlich bezwecken möchtest: Dein Pferd bekommt Aufmerksamkeit und in vielen Fällen näherst du dich. Schon kann dein Pferd wieder nach dir schnappen.

Ein ganz einfacher Tipp, der zunächst etwas Überwindung kostet, ist das einfache Ignorieren.

Wie ein nörgelndes Kind an der Kasse, dem du durch dein Ermahnen kein neues Verhalten beibringst.

Wie setzt du das Ignorieren um? Nicht hingehen, nicht laut Nein rufen und am besten noch nicht mal hingucken.

Einschreiten musst du nur, wenn dein Pferd sich oder andere in Gefahr bringt.

Tipp 3: Passe den richtigen Moment ab, um das richtige Verhalten zu verstärken.

Wie du bereits gelernt hast, verstärkst du durch das Ermahnen das Verhalten deines Pferdes.

Wie aber kannst du ein neues Verhalten trainieren? Hier gilt es ein gutes Zeitgefühl zu haben.

Passe genau den Moment ab, in dem dein Pferd ruhig steht und das Betteln aufhört. Sobald alle vier Beine auf dem Boden sind, kannst du dich ihm wieder zuwenden und mit Stimme loben.

Beobachtet man Stuten mit ihren Fohlen, sieht man ein ganz ähnliches Bild.

Wird das Kleine zu übermütig und beginnt sich daneben zu benehmen, macht Mama auf dem Absatz kehrt und wendet sich anderen Dingen zu.

Am Anfang fällt es noch schwer, nicht zu reagieren, wenn das Betteln anfängt. Meistens wird es lauter und am Putzplatz gucken deine Freunde.

Der wichtige Teil ist im richtigen Moment zu loben. Und an Tipp 1 zu denken: keine Leckerlies.

Tipp 4: Belohne für Aufgaben, nicht für unerwünschtes Betteln.

Dein Pferd steht jetzt also am Putzplatz wieder ganz ruhig. Du hast keine Leckerlies in der Tasche und gibst ihm nur Aufmerksamkeit, wenn es sich nicht daneben benimmt und bettelt.

Im Idealfall sollte dein Pferd nur dann Belohnung in Form von Leckerlies bekommen, wenn es wirklich mitarbeitet und eine Aufgabe erfüllt.

Ganz klassisch ist das bei Zirkuslektionen der Fall. Hier kann darüber gestritten werden, ob man überhaupt etwas geben sollte.

Niemals jedoch einfach so – oder weil dein Pferd so süß aussieht, etwas zustecken.

Damit verknüpft dein Pferd keine Aktion und im schlechtesten Fall wird daraus ein Leckerlie-Tauch-Pferd.

Du bestimmst alleine, wann du etwas zu fressen gibst.

Solltest du ein besonder aufdringliches Exemplar haben, dann wäre es am sinnvollsten, wenn du nichts mehr aus der Hand fütterst.

Tipp 5: Arbeite an eurer Beziehung – wer ist eigentlich von euch der Boss?

Bettelt dein Pferd, dann benimmt es sich daneben. Kein Pferd motzt seinen Herdenchef an, dass er jetzt mal mit den Möhren rüberwachsen soll.

Bei diesem Problem gibt es bestimmt noch andere unpassende Verhaltensweisen, das Betteln ist nur die Spitze.

Vielleicht drängelt dein Pferd und bleibt nur jedes zweite Mal stehen, wenn du anhälst. Oder möchte auch gar nicht gerne Hufe geben.

Unser Tipp Nummer 5 ist daher an den Grundlagen zu arbeiten. Dies zahlt sich in jedem Bereich im Umgang mit deinem Pferd aus.

Bodenarbeit hilft dir im täglichen Umgang, denn es klärt die Rangordnung zwischen euch und wer wem hier etwas sagen sollte.

Typische Aufgaben in der Bodenarbeit könnten sein: Führen, Anhalten und weichen. Diese Grundlagen sollten perfekt sitzen. Rennt dich dein Pferd über den Haufen, dann solltest du an eurer Kommunikation arbeiten.

Die bei der Bodenarbeit gemachten Fortschritte werden sich auch darin zeigen, dass dein Pferd den von dir eingeforderten Abstand zu dir einhält.

Dich nach Leckerlis abzurüsseln ist damit nicht mehr möglich und dein Pferd wird dir nicht mehr in die Tasche kriechen. Was und direkt zu Tipp Nummer 6 bringt.

Tipp 6: Abstand einhalten – dein Pferd darf dir auf keinen Fall auf die Pelle rücken!

Nach Tipp 5 – Bodenarbeit – wo es ganz allgemein um euer Verhalten miteinander geht, ist eines der wichtigsten Elemente: Abstand einhalten!

Beobachte eine Pferdeherde und du wirst sehen, dass das Weichen, Abstand einhalten und Wegschicken eines der zentralen Elemente ist.

Kommt ein Pferd einem ranghöheren Pferd zu nahe, dann wird es seinen eigenen Raum beanspruchen und seinen Platz wieder zurückfordern. Manchmal kann dies sehr grob geschehen, wenn ein Herdenmitglied wieder aufmüpfig wird.

Das Betteln kommt gleichzeitig mit Pferden, die keinen Abstand einhalten können. Wenn die Nase in deiner Tasche steckt, dann rückt dir dein Pferd auf die Pelle.

In der natürlichen Rangordnung würde dies kein Pferd machen – auf Kuschelkurs gehen ohne Aufforderung.

Trotzdem lässt du dies dein Pferd machen und provozierst damit das ungezogene Verhalten.

Als Mensch tappst du möglicherweise in die Falle, das näherkommen deines Pferdes falsch zu interpretieren. Wenn dein Pferd mit dem Rüsseln, Schnappen und Schnuppern anfängt, ist das vielleicht süß anzusehen, führt aber zu fehlendem Abstand und damit fehlendem Respekt.

Wie groß sollte der richtige Abstand zu deinem Pferd sein?

Welche Länge Abstand dein Pferd einzuhalten hat, legst du selbst fest. Meist reicht eine Unterarmlänge aus, so bist du nicht zu weit entfernt und auch nicht zu nah an deinem Pferd. Egal welchen Abstand du von deinem Pferd erwartest – du solltest diesen Abstand aktiv einfordern, wenn dir dein Pferd zu nahe kommt.

Praktische Umsetzung: Schwinge deinen Führstrick mit dem geforderten Abstand um dich herum. Trifft er dein Pferd, dann weiß dein Pferd das augenblicklich und wird im Idealfall weichen.

Das Betteln abgewöhnen: Dein konsequentes Verhalten wird dein Pferd beeinflussen

Alle diese Tipps werden dich einen Schritt weiterbringen, damit dein Pferd das Betteln aufhört. Wichtig ist dabei nicht nur dein Pferd, sondern auch dich selbst an die Nase zu fassen.

Sei selbst konsequent und gebe nicht heute mal ein Leckerli und Morgen keins. Je souveräner du auftrittst, desto einfacher wirst du es mit deinem Pferd im Umgang haben.

Wir hoffen, dir haben unsere 6 Tipps gefallen und du probierst sie direkt aus.

Unser letzter Tipp: auch Leckerlies aus dem Futtertrog nach dem Training freuen dein Pferd und vermeiden das Betteln, wenn du am Putzplatz stehst.

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