Schritt reiten – so lange solltest du aufwärmen

Wir alle Reiten mehr oder weniger lange Schritt vor dem Training. Doch wie viel es genau sein sollte, das ist uns lange nicht wirklich klar gewesen.

Daher wollen wir herausfinden, wie lange die ideale Aufwärmphase dauert und gleichzeitig sehen, was das Aufwärmen so wichtig macht.

Wie lange sollte man zum Aufwärmen Schritt reiten? Ein Minimum von 10 bis 20 Minuten sind Pflicht. Je wärmer dein Pferd durch das Aufwärmen, desto flexibler seine Muskulatur, Sehen und Bänder. In diesem Zustand kann dein Pferd seine volle Leistung abrufen. Aufwärmen ist daher ein absolutes Pflichtprogramm!


Warum muss ich mein Pferd im Schritt aufwärmen?

Damit unsere Pferde im Training fit sind, müssen Sie genügend aufgewärmt sein. So werden Verletzungen vermieden, dein Pferd kann schneller und besser mitarbeiten.

Dies ist die gängige Erklärung, doch wir wollten mehr wissen und haben uns für dich genauer informiert, was im Körper passiert, wenn wir vor dem Sport nicht kalt starten, sondern aufgewärmt.

Damit wir das Konzept des Aufwärmens im Schritt besser verstehen, vergleiche einfach mal unseren Sport und die Wirkung des Aufwärmens auf den menschlichen Körper.

Wenn du, ohne aufzuwärmen Sport machst, dann brauchst du länger, um „in die Gänge zu kommen“. Du fühlst dich womöglich etwas eingerostet und steif.

Insgesamt fällt Sport in kaltem, unaufgewärmten Zustand schwerer.

Beim Aufwärmen regst du deinen Kreislauf an und bereitest ihn auf die kommende Belastung vor. Die Gelenke werden geschmeidiger, durch die erhöhte Durchblutung steigt die Körpertemperatur.


So lange sollte das Aufwärmen mindestens dauern

Mit dem Wissen um die Bedeutung des Aufwärmens, können wir nun sagen, wie lange es ungefähr dauern müsste, bis dein Pferd warm ist.

In sehr vielen Reitställen ist es verbreitet, zwischen zehn und zwanzig Minuten Schritt zu reiten. Diese Faustregel sollte mindestens eingehalten werden.

Wer ein älteres Pferd hat, der reitet durchaus auch mal länger. Leider wird man dafür in vielen Ställen immer noch recht krumm angeguckt.

Dies sollte dir jedoch egal sein, die Vorteile eines wirklich gut aufgewärmten Pferdes überwiegen!

Wer exakt wissen will, wie lange das eigene Pferd aufgewärmt werden muss, der kann dies mittels der Thermografie ermitteln. Hier wird die Wärmestrahlung gemessen, die im Laufe der Aufwärmphase ansteigt.

Eine Thermografie an Pferdebeinen nach einer Aufwärmphase zeigt sehr gut an, wie warm die Beine nun wirklich sind. Dabei wurde klar, dass nur ein entsprechend langer, mindestens 20-minütiger Ritt notwendig ist, damit die Beine die richtige Temperatur erreichen. Damit sinkt die Verletzungsgefahr und man kann Lahmheiten vermeiden.

Nachlesen kannst du dies unter: Thermografie beweist, Warmreiten dauert 20 Minuten.


Die Aufwärmphase ist individuell – so kannst du sie beeinflussen

Bei der richtigen Dauer der Aufwärmphase für dein Pferd, spielen viele Merkmale eine Rolle. Damit alle Gelenke, Bänder und Muskeln gut auf die kommende Belastung vorbereitet und aufgewärmt sind, musst du gerade im Winter viel länger reiten, als bei milden Sommertemperaturen.

Bei der Länge der Aufwärmphase solltest du die Rahmenbedingungen immer neu bewerten:

  • Kommt dein Pferd direkt aus der Box und hat nur herumgestanden? Hier kann eine längere Aufwärmphase sinnvoll sein. Eine artgerechte Haltung hilft dir auch im Training: Die Umgewöhnung von Box zum Offenstall gelingt mit unseren Tipps.
  • Ist dein Pferd eher „steif“, wenn du es aus der Box holst? Braucht es länger, um flüssig zu gehen? Dann ist eine längere Aufwärmphase notwendig.
  • Hat es gerade auf der Weide getobt und sich viel gewälzt und schwitzt womöglich noch leicht? Du könntest die Aufwärmphase leicht verkürzen.
  • Hat dein Pferd gesundheitliche Einschränkungen wie Arthrose? Hier solltest du immer einen Tierarzt hinzuziehen, der dich in deine konkreten Fall berät, wie lange du aufwärmen müsstest.
  • Auch die Jahreszeiten und die Temperatur beeinflussen das Aufwärmen: Im Sommer ist dein Pferd schneller warm als im Winter. Dementsprechend kannst du das Schrittreiten verkürzen oder verlängern.

Kennst du dein Pferd besser, dann kannst du am Gangbild und an der angebotenen Aufwölbung sowie Anlehnung erkennen, ob deine gewählte Aufwärmphase die richtige Dauer hatte.

Bei zu kurzer Dauer wirst du dein Pferd nicht reell über den Rücken reiten können. Viele Pferde laufen dann mit weniger Raumgriff und lassen dich schwerer sitzen, was an dem nicht aufgewölbten Rücken liegt.

Meist hilft hier schon etwas lockeres Leichttraben mit Tempowechseln und der Abwechslung zwischen Dehnung und Anlehnung. Kehre sonst wieder in den Schritt zurück, um dein Pferd mit gymnastizierender Arbeit weiter aufzuwärmen, z. B. Seitwärtsgängen.


In der Aufwärmphase die richtige Mitte finden zwischen Belastung und Training

Wer in der Aufwärmphase bereits zu viel verlangt, der riskiert, dass die Aufmerksamkeitsspanne seines Pferdes abnimmt. Daher sollte das Training immer so aufgebaut sein, dass die Aufwärmphase so abschließt, dass dein Pferd warm ist, um das eigentliche Training zu beginnen.

Solltest du lange Galopp- und Trabreprisen zum Aufwärmen in dein Training einbauen, könnte dein Pferd schneller ermüden und deine Kooperation mit ihm wird schwieriger.

Dies ist ähnlich, wenn du vor dem Joggen zum Beispiel, bereits ausgiebige Aufwärmübungen machst, die dich stark anstrengen, bevor es wirklich losgeht.

Dennoch sollte das Aufwärmprogramm keinesfalls nur im Schritt am langen Zügel bestehen.

Der Spruch – Schritt muss man reiten – ist absolut richtig. Nur mit der richtigen Gymnastizierung wird dein Pferd für das Training gut vorbereitet.

Um das Aufwärmprogramm abwechslungsreich und für dein Pferd zielführend zu gestalten, kannst du Seitwärtsgänge einbauen: Schenkelweichen oder Schulterherein wären zwei Möglichkeiten, je nach deinem Ausbildungsstand.


Wieso Schrittreiten sehr wichtig ist

Alles, was du im Schritt noch nicht zu einhundert Prozent mit deinem Pferd meisterst, das wird im Trab und spätestens im Galopp zu einem großen Problem.

Lange Schrittausritte sind ideal, um alle Lektionen zu festigen und trotzdem Muskulatur aufzubauen.

Denn auch im Schritt gewinnt dein Pferd Muskulatur und Kondition.

Schritt ist für dein Pferd eine sehr positive Gangart, die zu seiner Gesunderhaltung beiträgt. Leider hat sich der Fokus im Reitsport weg vom Schritt, hin zum Trab und zum Galopp entwickelt.

Wer lange Schrittausritte macht, sollte daher kein schlechtes Gewissen haben. Dieses ruhige Training, das im Gelände mit geringen Höhenunterschieden besonders effizient sein kann, entspricht der natürlichen Fortbewegung deines Pferdes in freier Wildbahn.

Wildpferde legen die meisten Strecken im Schritt zurück, dies tun sie beim Grasen, indem sie Schritt für Schritt vorwärtsgehen.

Trab und Galopp werden für die Zurücklegung von weiteren Distanzen oder die Flucht genutzt. Der Schritt jedoch stellt die Grundlage dar, die einen positiven Einfluss auf dein Pferd hat.

Möchtest du Schrittausritte machen, hast aber niemanden im Stall, der dich begleitet, sieh dir unseren Beitrag an: Alleine ausreiten – Tipps für Pferd und Reiter.


Zusammenfassung – wie lange sollte man warmreiten?

Vor dem Training sollte man sein Pferd ausreichend aufwärmen, um Verletzungen im Training zu vermeiden und den Kreislauf des Pferdes auf die kommende Belastung vorzubereiten.

Die Steigung der Körpertemperatur führt zu einer besseren Durchblutung, die Muskeln und Gelenke optimal mit Sauerstoff versorgen kann.

Eine Aufwärmphase sollte im Idealfall ca. 20 Minuten betragen.

Die Dauer des Aufwärmens ist von verschiedenen Faktoren abhängig, die bei jedem Ritt neu bewertet werden müssen:

  • Im Sommer und im Winter ist dein Pferd unterschiedlich warm. Im Sommer kann die Aufwärmphase etwas verkürzt, im Winter sollte sie verlängert werden.
  • Bei kranken Pferden sollte immer eine ausreichend lange Aufwärmeinheit geritten oder geführt werden, bevor mit der eigentlichen Belastung begonnen wird. Dies ist im Zweifelsfall mit einem Tierarzt abzustimmen.
  • Hat dein Pferd gerade lange gestanden oder lief es bereits herum? Kommt es aus seiner Box oder von der Weide?

Beim Aufwärmen sollte die Mitte zwischen Vorbereitung und Belastung gefunden werden. Wer bereits zu viel von seinem Pferd verlangt, kann im eigentlichen Training weniger Kooperation erwarten.

Daher ist der Schritt, gemeinsam mit einigen gymnastizierenden Übungen, wie zum Beispiel Seitengängen, als Aufwärmprogramm zu empfehlen.

Solltest du zu wenig Aufwärmen, wird dein Pferd Schwierigkeiten haben, taktklar zu laufen und beispielsweise den Rücken aufzuwölben.

Wildpferde verbringen den Großteil ihres Tages im Schritt beim Grasen. Traben und Galoppieren ist nicht die wichtigste Gangart. Daran können wir uns für die Gesunderhaltung unserer Pferde orientieren und den Schritt als etwas positives sehen und nicht als lästiges übel vor dem eigentlichen Training.

Zu lange Schritt reiten vor dem Training schadet deinem Pferd daher nicht. Wer zu wenig Schritt reitet und aufwärmt, merkt dies meist sofort an seinem steifen und unnachgiebigem Pferd.

Probier es vor deiner nächsten Reitstunde aus und verlängere die Aufwärmzeit um zehn Minuten – wahrscheinlich wird sich dein Pferd darüber freuen.