Kann ich direkt nach dem Hufschmied reiten?

Der Hufschmied kommt alle vier bis acht Wochen und führt die Hufpflege bei deinem Pferd aus. Manchmal verliert dein Pferd sogar ein Hufeisen auf der Weide und es gibt einen zusätzlichen Termin. Direkt, nach dem Hufschmiedetermin sind sich viele ReiterInnen unsicher, ob sie wieder reiten dürfen. Woher die Unsicherheit kommt und was der Hufschmied macht, dass dein Pferd nicht geritten werden könnte, erklären wir dir hier.

Kann ich direkt nachdem der Hufschmied da war, mein Pferd wieder reiten?

Nach dem Beschlagen und Ausschneiden kann das Pferd direkt wieder geritten werden. Ein guter Hufschmied führt seine Arbeit so aus, dass das Pferd durch die Arbeit keine Beeinträchtigung hat und weder fühlig noch klamm läuft.

Was der Hufschmied macht

Der regelmäßige Hufschmiedetermin ist dazu da, die Hufe wieder in Form zu bringen. Der Hornschuh, den du von außen sehen kannst, wächst durchgehend nach und würde sich bei ausreichend Abrieb durch harte und sandige Böden, immer genügend abreiben.

Da unsere Pferde heute vor allem auf weichen Böden leben: Zum Beispiel Gras und Stroh, findet nicht ausreichend Abrieb der Hufe statt. Der Huf wächst und beginnt sich zu deformieren. Dieser Deformierung muss der Hufschmied durch raspeln und kürzen vorbeugen.

Bevor der Hufschmied kommt, solltest du die Hufe mit dem Hufkratzer reinigen.

Bei einem Hufschmiedetermin ist der Ablauf meist wie folgt:

  • Reinigung der Hufe mit dem Hufkratzer – nur so kann der Hufschmied sich ein Bild des Hufes machen ohne störende Pferdeäppel, Dreck und Steine (Weiterlesen: Warum muss ich Hufe auskratzen?)
  • Nur bei Hufeisen: Abnahme des Hufeisens durch Lösen der Nägel
  • Entfernung überschüssiges Sohlenmaterial (Achtung: Hier kann die Sohle zu stark ausgedünnt werden und dein Pferd geht fühlig)
  • Entfernung von überschüssigem Hornmaterial: Kürzen der Tragränder und Eckstreben auf Sohlenniveau (Achtung: Hier kann mit der Raspel die Sohle verletzt werden und dein Pferd läuft fühlig)
  • Ziel ist die Herstellung eines symmetrischen Hufes
  • Bearbeitung des Hufes von außen auf dem Hufbock: Begradigung der Hufwände, die sich deformiert haben
  • Kontrolle des fertig bearbeiteten Hufes: Ist der Huf in Balance? Sind die Trachten gleich hoch und der Huf gerade?
  • Nur bei Hufeisen: schmieden des Hufeisens, auflegen auf den Huf und Befestigung mit Hufnägeln in der weißen Linie
  • Gute Hufschmiede lassen das Pferd nun vorlaufen im Schritt und im Trab und beurteilen von vorne und von hinten die Balance der gekürzten und neu aufgelegten Hufeisen auf den Hufen.

Sehr vereinfacht gesagt, ist die Arbeit eines Hufschmiedes ähnlich dem der Pediküre. Auch dem Pferd müssen die „Nägel“ regelmäßig gekürzt werden. Schneidest du deine Finger- oder Fußnägel nicht mehr, können diese abbrechen oder einreißen und werden im täglichen Umgang für dich unpraktisch und unangenehm.

Pferd ist klamm und fühlig nach dem Hufschmiedetermin

Anhand unserer Beschreibung weißt du nun, welche Arbeitsschritte der Hufschmied an allen vier Hufen durchführt. Sehr oft gibt es Pferdebesitzer, die nach dem Hufschmiedetermin ein fühliges Pferd haben.

Ein fühliges Pferd geht vorsichtig, möchte nicht mehr über Steine gehen, wechselt von sich aus immer auf weichere Böden und kann sehr verspannen. Tritt es auf einen Gegenstand, zum Beispiel einen Stein, kann es danach einige Zeit lahmen.

Um zu verstehen, warum dies passiert, müssen wir uns den Hufaufbau genauer ansehen. Der Hornschuh ist dafür gedacht, dass über die natürlich vorkommenden Gegenstände wie Steine, ohne Probleme gelaufen werden kann. Auch harte Böden sind für gesunde Hufe kein Problem.

Dreh und Angelpunkt für ein fühliges Pferd ist die Sohle!

Die Sohle schützt die darunter liegenden Schichten. Diese reagieren sehr empfindlich auf eine zu dünne Sohle. Läuft dein Pferd also fühlig – und dies direkt nach dem Hufschmiedetermin, dann kann dies an einer zu stark ausgeschnittenen und gekürzten Sohle liegen.

Vielfach wird zu viel an der Sohle gekürzt, da dein Hufschmied dein Pferd nur nach „Schema F“ behandelt. Die Arbeitsschritte, die durchzuführen sind, werden nicht individuell an das Pferd angepasst. Ist ein nächster Termin erst in weiter Zukunft geplant, beispielsweise nach acht Wochen, wird oft zu viel Material entfernt, damit der Abstand überbrückt werden kann.

Wie oft dein Pferd zum Hufschmied sollte, kann variieren. In diesem Artikel erfährst du, wie du erkennst, wann der nächste Termin geplant werden sollte: Wie oft muss das Pferd zum Hufschmied?

Ein fühliges Pferd sollte für dich immer Grund sein, die Hufbearbeitung genau unter die Lupe zu nehmen:

  • Hat dein Pferd immer direkt nach dem Hufschmiedetermin Probleme mit Fühligkeit?
  • Gibt es zusätzliche Probleme mit den Hufen wie ausbrechende, hebelnde Wände?
  • Neigt dein Pferd zu Hufgeschwüren oder hatte bereits eines?
  • Hast du vor kurzem von Hufeisen auf Barhuf umgestellt?

Kannst du eine der Fragen mit ja beantworten, solltest du der Hufbearbeitung mehr Aufmerksamkeit widmen. Wir können Huforthopäden empfehlen. Diese haben zusätzliches Wissen mit Schwerpunkt auf den Funktionen des Hufes erworben, wohingegen die Fortbildung zum Hufschmied eher Inhalte im Bereich der Herstellung von Hufeisen vorgibt.

Mehr Infos zu dem Thema klamm laufendes / gehendes Pferd haben wir in diesem Artikel zusammengetragen: Pferd läuft klamm – mögliche Gründe

Ein frisch beschlagenes Pferd reiten

Nun aber endlich zur Antwort auf die Frage dieses Artikels: Du kannst dein Pferd direkt nach dem Hufschmiedetermin sofort wieder reiten. Wurde die Arbeit richtig durchgeführt, spürt dein Pferd keine Beeinträchtigung.

Das Hufeisen wird in einem nervenlosen Teil des Hufes befestigt: in der weißen Linie direkt hinter der Hufwand. Das Horn schützt und besitzt ebenfalls keine Nerven, die das heiße Hufeisen für dein Pferd unangenehm machen könnten.

Somit kannst du direkt nach dem Hufschmiedetermin wieder trainieren, Reitstunden nehmen oder einen Spaziergang in den Wald machen. Diese Tätigkeiten sollten deinem Pferd aufgrund der frischen Hufeisen keine Einschränkungen bieten.

Reiten nach dem Hufe Ausschneiden

Trägt dein Pferd keine Hufeisen, wird der Hufschmied zu einem Großteil dieselben Arbeiten an den Hufen deines Pferdes ausführen müssen.

Ist der Hufschmied mit dem Ausschneiden fertig, kannst du sofort wieder reiten. Alle Tätigkeiten sollten ohne Probleme möglich sein.

Wie oben beschrieben, liegen Probleme, die direkt nach der Hufbearbeitung auftreten, immer an einer fehlerhaften Bearbeitung. Oftmals wird der Huf zu stark gekürzt, sodass das Hufhorn erst wieder nachwachsen muss, um dem Huf genügend Schutz zu bieten.

Bei Hufschmiedeterminen dem Schmied über die Schulter gucken

Aus Erfahrung gibt es zwei Sorten von Hufschmieden: die, die alles über dich und dein Pferd wissen und gerne und viel plaudern und die anderen.

Egal, welchen Hufschmied du hast, es bringt dir viel, wenn du genauer hinsiehst. Du lernst durch das Zusehen, was in welcher Reihenfolge bearbeitet wird und welche Auswirkungen dies auf dein Pferd hat.

Sieh dir die Hufe direkt nach dem Termin an und vergleiche das Hufwachstum mit dem Zustand in einer Woche. Machst du dies über einige Monate hinweg, wirst du besser einschätzen können, ob die Termine in kürzeren oder längeren Abständen erfolgen sollten.

Du kannst selbst einiges für gesunde Hufe tun. Dazu gehört auch, deinem Pferd ein möglichst artgerechtes Leben zu ermöglichen. Was eine artgerechte Haltung ausmacht, kannst du dir hier ansehen.

Der Hufschmiedetermin sollte für dein Pferd keine Beeinträchtigung darstellen – reiten ist danach sofort möglich. Ist dies bei deinem Pferd nicht der Fall, solltest du überlegen, einen anderen Schmied oder sogar einen Huforthopäden für die weitere Bearbeitung anzufragen.