Wie lange braucht man, um reiten zu lernen?

Um sattelfest zu werden, müssen verschiedene Stadien durchlaufen werden. Beim Reiten lernen kommt es insbesondere auf die Fähigkeit an, ein gutes Körpergefühl mit Gleichgewicht und einen ausbalancierten Sitz zu entwickeln.

Wie lange braucht man, um reiten zu lernen? Bis zu sechs Monate dauert Longenunterricht, bei dem man lernt, zügelunabhängig im Gleichgewicht zu sitzen, um selbstständig reiten zu können. Der folgende Reitunterricht verfeinert den Sitz und die Hilfengebung. Nach ungefähr einem Jahr Reitunterricht können die meisten Reitschüler selbstständig reiten, die Geschwindigkeit bestimmen und ausbalanciert im Sattel sitzen, wenn du mindestens einmal pro Woche auf dem Pferd sitzt.

Stufe 1: Longenunterricht für einen zügelunabhängigen Sitz

Wenn du nicht reiten kannst, lernst du die Bewegung des Pferdes zunächst an der Longe kennen. In allen Gangarten wird das Pferd im Kreis laufen gelassen, du musst weder treiben (Gas geben) oder durchparieren (bremsen). Du hast am Anfang keine Zügel in der Hand und kannst dich am Sattel festhalten. Durch Übungen und viele Wiederholungen erlangst du Gleichgewicht im Sattel.

Zum Reitenlernen benötigst du besondere Ausrüstung: Reitausrüstung für Anfänger (inklusive Tipps, wie du Geld sparst und was für Anfänger vollkommen ausreichend ist)

Viele Anfänger sitzen vor oder hinter der Bewegung des Pferdes, dies ist eine Übungssache: je ausbalancierter du über dem Schwerpunkt deines Pferdes sitzen kannst, desto weniger musst du dich festhalten. Du siehst dies daran, dass Anfänger nach vorne fallen oder nach hinten mit dem Oberkörper kommen.

Diese erste Phase des Reiten lernens dauert meistens mehrere Monate. Einmal pro Woche nehmen die meisten Reitanfänger dafür Longenstunden. Mit der steigenden Anzahl Longenstunden wirst du immer sicherer und kannst dich besser ausbalancieren. In der ersten Phase geht es nur um deinen Sitz im Sattel.

Nach vielen Longenstunden wird dein Reitlehrer die Longe abmachen und dich alleine reiten lassen. Zusätzlich zum Ausbalancieren deines eigenen Sitzes musst du nun auch dein Pferd im Auge behalten. Du erhälst die Zügel und kannst die Geschwindigkeit mit deinen Hilfen bestimmen. Diese zusätzliche Koordinationsaufgabe meistert die Mehrheit der Reiter auch über einige zusätzliche Wochen bis Monate.

Intensivkurse oder Crashkurse, die dir versprechen, innerhalb eines Wochenendes sattelfest zu werden, entsprechen leider nicht der Realität.

Neben dem Aspekt im Sattel sicher sitzen zu können, musst du gleichzeitig lernen, mit dem Pferd umzugehen. Besonders am Anfang erscheint es dir als Reitanfänger, dass das Pferd bestimmt, was ihr tut. Die Souveränität im Umgang mit dem Pferd entwickelt sich erst mit der Zeit, wenn du immer besser darin wirst, zu lesen, was dein Pferd dir mitteilt und deine eigene Körpersprache bewusster einsetzt. Auch das gehört zum Reitenlernen dazu.

Ein eigenes Pferd ist zum Reitenlernen nicht notwendig. Welche Möglichkeiten du hast, um Reiten zu lernen und aufs Pferd zu kommen, haben wir dir hier zusammengestellt: Reiten ohne eigenes Pferd – Möglichkeiten für jeden Geldbeutel.

Stufe 2: Reitunterricht, um wirklich sattelfest zu werden

An der Longe lernst du ausbalanciert zu sitzen, um danach mit Zügeln reiten zu können. Du erlernst die treibenden Hilfen, damit du in allen Gangarten reiten kannst. Reitunterricht ist nun die nächste Stufe, um Reiten zu lernen.

An der Longe musstest du dich nur auf dich konzentrieren und konntest dein Gleichgewicht schulen. Nun sitzt du sicher im Sattel und lernst die Hilfengebung kennen, damit du Geschwindigkeit und Richtung deines Pferdes bestimmen kannst.

An den Longenunterricht schließt sich meistens ein weiteres halbes Jahr an, bevor du wirklich sagen kannst, dass du reiten kannst. Insgesamt vergeht so circa ein Jahr, bevor du reiten gelernt hast.

Reitunterricht läuft meistens nach dem gleichen Schema ab. Sieh dir hier an, was in einer Reitstunde passiert.

Im Reitunterricht wirst du mit Pferden konfrontiert, die nicht sofort das machen, was gewünscht ist. Du lernst dich duchzusetzen, abzuwarten, konsequent zu sein und resepektvoll mit Pferden umzugehen, damit sie das tun, was du möchtest.

Zum Reitenlernen gehören auch typische Verhaltensweisen, die dir in deiner reiterlichen Laufbahn immer mal wieder begegnen werden:

  • durchgehen
  • buckeln
  • scheuen
  • sonstige Situationen, in denen du einen kühlen Kopf bewahren musst.

Auch der erste Sturz gehört dazu sowie die Entscheidung wieder aufzusteigen.

Im Reitunterricht lernst du verschiedene Pferde kennen, die unterschiedliche Verhaltensweisen zeigen. Dadurch wächst deine Erfahrung und du wirst ganz nebenbei und ohne es zu merken, immer sattelfester und erfahrener im Umgang.

Reitunterricht wird meistens in der Gruppe mit mehreren Reitern erteilt. Auch Einzelunterricht ist natürlich möglich. Wir haben die Reitstundenpreise von verschiedenen Reitschulen in ganz Deutschland und Österreich zusammengetragen und übersichtlich aufgelistet: Reitunterricht Preise. Hier siehst du, wie viel eine Reitstunde im Durchschnitt kostet.

Stufe 3: Training, Training, Training – Turniere, Ausritte, Springen, …

Nach einen halben Jahr kannst du reiten – hast wahrscheinlich aber noch Schwierigkeiten in der Koordination. Nach einem weiteren halben Jahr klappt die Koordination zwischen Beinen, Händen, Sitz und Körper bereits ganz gut.

Aus unserer Erfahrung braucht es noch weitere Monate, bevor du selbst sagen kannst, dass du sattelfest bist. Ist das Gleichgewicht und die Koordination kein Problem mehr, wirst du dich um das richtige Training deines Pferdes kümmern.

Damit dein Pferd richtig läuft und gymnastiziert wird, benötigst du weitere Fertigkeiten. Diese erlernst du ab Stufe 3 im Prozess des Reitenlernens. Je nach deinen Wünschen lernst du in dieser Stufe auch schwierigere Diszplinen, wie zum Beispiel Springen und die Besonderheiten deines Sitzes dazu. Du kannst in der Dressur besondere Aufgaben trainieren, bei denen es auf deine Hilfengebung ankommt.

Diese Stufe endet nicht, da man mit einem Pferd immer vor neue Situationen gestellt wird, die man vielleicht doch noch nicht kennt.

Reiten lernen macht Spaß

Alle Stufen, um sicher mit einem Pferd umgehen zu können und es zu reiten, machen wirklich Spaß! Natürlich wollen wir erwähnen, dass der ein oder andere etwas schneller oder etwas langsamer durch die einzelnen Stufen kommt.

Wer ein gutes Gleichgewicht hat, wird unter Umständen in der ersten Stufe schneller sein. Ein gutes Körpergefühl hilft dir bei der wachsenden Koordinationsaufgabe in Stufe zwei. Aber auch ohne diese, wirst du mit jeder Stunde auf dem Pferd besser werden.

Besonders am Anfang solltest du lange genug dabeibleiben, da bei vielen das Verständnis für den Reitersitz und das Körpergefühl erst nach einigen Stunden kommt, dann aber bleibt.

Besonders die allerersten Stunden sind nicht so, wie Reiten bei anderen aussieht oder wie du dir Reiten vorgestellt hast. Du wirst Probleme haben, das Gleichgewicht zu halten und denken, dass du niemals reiten kannst, ohne dich festzuhalten. Lass dich daher nicht entmutigen – in den ersten Stunden ist das völlig normal!

Der Ausritt ohne Sattel mit wehender Mähne sieht einfach aus. Bis du an diesem Punkt ankommst, kann ohne Probleme über ein Jahr vergehen.

Beim Reitenlernen wird oft der zweite Teil vergessen, den du parallel erlernst: der Umgang mit dem Pferd. Dieser dauert meist genauso lange: wenn du zum ersten Mal einen Pferdefuß hochhebst, kann das am Anfang respekteinflössend sein. Auf ein Pferd, was beim Führen nervös wird, wirst du erst nach einigen Monaten bis zu einem Jahr, besser reagieren können und gut einwirken.

Achte daher bei der Wahl deiner Reitschule darauf, dass du wirklich beides erlernst und nicht den zweiten Teil separat nachholen musst. Gute Reitschulen lassen dich das Pferd putzen, versorgen und für die Reitstunden vorbereiten.

Wir haben super viele Infos für dich als Anfänger auf unserer Seite in der Kategorie Reiten & Bodenarbeit – Anfänger.