Reitbeteiligung – ab welchem Alter sinnvoll?

Reitbeteiligung zu sein hat viele Vorteile: Die einen sagen, man hätte eine intensivere Beziehung zu seinem Pferd, die anderen sagen, man hätte mehr Verantwortung und könnte reiterlich schneller vorankommen.

Ab welchem Alter ist eine Reitbeteiligung empfehlenswert?

Kinder bis zu einem Alter von ca. 12 – 14 Jahren können in einer Reitschule die Grundlagen des Reitsports erlernen. Ab einem Alter von ca. 12 Jahren kann eine Reitbeteiligung für fortgeschrittene Reiter die richtige Wahl sein. Voraussetzung ist ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein, grundlegende Pferdekenntnisse und Eigenständigkeit.

Warum das Alter bei einer Reitbeteiligung eine Rolle spielt

Das Konzept der Reitbeteiligung unterscheidet sich von der Reitschule vor allem dadurch, dass die Überwachung und Prüfung des Reiters nicht mehr im gleichen Ausmaß erfolgt und erfolgen kann. Reitbeteiligung zu sein bedeutet ein höheres Maß an Verantwortung und Eigenständigkeit, welche unterschiedlich schnell ausgebildet werden können.

Traditionell lernt man den Reitsport über die folgende Entwicklung kennen:

  • (ab ca. 7/8 Jahren) Besuch einer Reitschule zum Erlernen der Grundlagen im Sattel und im Umgang mit dem Pferd
  • Longenunterricht mit Sitzübungen bis hin zum ersten Mal alleine reiten
  • Teilnahme am Schulunterricht, um sattelfest zu werden – Ritt von den verschiedensten Pferden und Ponys
  • (ab ca. 12 – 14 Jahren) Wechsel zu einer Reitbeteiligung, möglicherweise im selben Schulbetrieb

Nicht umsonst gibt es einige Pferdebesitzer, die volljährige Reitbeteiligungen haben möchten. Hier ist ein größeres Maß an Verantwortungsbewusstsein meistens vorhanden und Zuverlässigkeit sowie richtiger, pferdegerechter Umgang mit dem Vierbeiner kein Problem mehr.

Dennoch wissen wir aus unserer Zeit als Reitbeteiligung, dass eigentlich nicht das Alter, aber die Kenntnisse über Pferde und Reiten, die wirklich wichtigen Faktoren sind.

Fängt man mit 10 Jahren an zu reiten, kann mit 14 Jahren davon ausgegangen werden, dass genügend Erfahrungen erworben wurden und einer Reitbeteiligung auf einem passenden Pferd oder Pony nichts im Wege stehen sollte. Wer sieben Tage die Woche auf dem Pferdehof ist, der wird auch schneller sattelfest und kann alleine und verantwortungsbewusst mit einem Pferd umgehen.

Viele Pferdebesitzer und auch Eltern setzen ein höheres Alter mit der Bereitschaft für eine Reitbeteiligung gleich. Dies kann der Fall sein, in einigen Fällen muss hier jedoch kein Zusammenhang bestehen.

Wichtiger als das Alter: Was muss man für eine Reitbeteiligung können?

Ab welchem Alter eine Reitbeteiligung die richtige Wahl ist, liegt weniger an der Zahl, als an den erworbenen Fähigkeiten im Reitsport. Einige Fragen, die man bedenken sollte, wenn man sehr junge Kinder hat (oder selbst noch sehr jung ist) und die Frage nach einer Reitbeteiligung im Raum steht:

  • Sind die Abläufe mit einem Pferd zu 100% bekannt: Pferd aus der Box / von der Weide holen, wie putze ich richtig, Hufe kratzen, Sattel und Zaumzeug anlegen, Warm- und wieder abreiten, Box misten, etc.
  • Wie viel kann eigenständig mit dem Pferd durchgeführt werden? Wo braucht man noch Unterstützung? Kann alleine gesattelt und getrenst werden?
  • Kann Reitunterricht mit der Reitbeteiligung genommen werden? Gerade am Anfang ein absolutes Muss, um einschleichende Fehler zu vermeiden und sich weiter zu verbessern.
  • Passt das Reitbeteiligungspferd wirklich zu den eigenen reiterlichen Fähigkeiten? Es muss nicht gleich das Turnierpferd sein, vielleicht ist eine Reitbeteiligung auf einem ruhigen und älteren Pony das richtige für den Start.
  • Ist ausreichend Zeit für die Reitbeteiligung vorhanden? Der Besitzer muss sich zu einhundert Prozent auf dich verlassen können. Kurzfristige Absagen oder Unzuverlässigkeit sind schädlich: sowohl für dein Pferd als auch das in dich gesetzte Vertrauen.

Unsere erste Reitbeteiligung hatten wir mit 12 Jahren. Und das war im Nachhinein ein guter Zeitpunkt. Wir hatten bereits zwei Jahre Reitunterricht auf verschiedenen Schulpferden und waren im Umgang und mit allen anfallenden Aufgaben vertraut.

Im Realitätscheck Reitbeteiligung treten folgende ganz banale Probleme in jungen Jahren auf:

  • Sättel können sehr schwer sein. Diese dann als 12-jährige alleine auf ein großes Pferd zu bekommen, manchmal unmöglich (ähnliches Problem beim Auftrensen eines Pferdes). Weiterlesen: Umstieg vom Pony aufs Großpferd
  • Widersetzlichkeiten der Reitbeteiligung können sich schneller zu einem größeren Problem entwickeln. Das Pferd lernt meistens sehr schnell, ob der Besitzer oder die Reitbeteiligung mit ihm umgeht (spätestens jetzt muss man lernen, sich durchzusetzen).
  • Fällt der Reitunterricht mal aus, muss das Pferd alleine trainiert werden – dies braucht Übung, damit mehr Kreativität auf dem Platz entstehen kann, als immer ganze Bahn zu reiten. Unser Tipp: Unbedingt begleitend Reitunterricht nehmen und alleine die Stunde in gleichem Aufbau gestalten lernen.

Die Vorteile einer Reitbeteiligung

Kannst du nach den beschriebenen Problemen und Voraussetzungen sagen, dass die Reitbeteiligung ein richtiger, nächster Schritt wäre? Unbestritten sind einige Vorteile, die du nur hast, wenn du ein Reitbeteiligungspferd reiten kannst.

Nach wenigen Wochen wird dein Reitbeteiligungspferd sich an dich und deine Verhaltensweisen gewöhnen und entsprechend auf dich reagieren. Du kannst eine echte Kommunikation mit ihm beginnen und eure Beziehung verbessern. Anders, als in der Reitschule, bist du nun nicht mehr nur ein Reitschüler unter vielen, den dein Pferd stoisch durch die Bahn trägt, sondern ein fester Bestandteil in seinem Leben.

Du hast mehr Zeit, die Pferdewelt zu genießen. Bei einer Reitschule steht meistens nur die Reitstunde in der Bahn im Vordergrund. Jetzt kannst du dein Pferd auch mal gemütlich spazieren führen, ausgiebig putzen oder zusammen grasen gehen. Deine Entscheidungsfreiheit wird größer.

Viele weitere Vor- und Nachteile haben wir dir in diesem Artikel rund um das Thema Reitbeteiligung zusammengetragen.

Ein guter Kompromiss: die Reitbeteiligung im Schulbetrieb

Wem der Sprung zu einer Reitbeteiligung eines Privatbesitzers doch noch zu viel Verantwortung ist, der hat heute eine neue Möglichkeit bekommen. Immer mehr Schulbetriebe folgen dem Wunsch der Reiter und bieten Reitbeteiligungen auf Ihren Schulpferden an.

Wie funktioniert eine Reitbeteiligung im Schulbetrieb?

Im Prinzip ist das Konzept das gleiche: Du hast feste Tage in der Woche, in denen du dein Pferd reitest.

Dies ist jedoch nicht auf eine einzige Reitstunde begrenzt, dir „gehört“ das Pferd für einen Nachmittag oder einen ganzen Tag – je nach Umsetzung in deiner Reitschule.

Zusätzlich hast du weitere Freiheiten. Du kannst mit deinem Reitbeteiligungspferd auch die anderen Plätze oder Hallen des Vereins nutzen. Nach Absprache sind auch kleine Runden ins Gelände möglich. Dabei ist auch die Teilnahme an Turnieren oder Lehrgängen möglich.

Beachte, dass einige Reitschulen für die Übernahme einer Reitbeteiligung bestimmte Reitabzeichen voraussetzen.

Dies kann der Basispass oder das kleine Reitabzeichen sein – meistens kannst du diese direkt in deiner Reitschule ablegen.

Falls deine Reitschule dieses Konzept noch nicht anbietet, wäre eine freundliche Nachfrage in jedem Fall nicht verkehrt!