Pferd von Box in Offenstall umstellen

Viele Pferdebesitzer gehen eines Tages den Schritt, ihr Pferd von der Boxenhaltung in einen Offenstall umzustellen. Dies schließt ein für das Pferd anderes und auch artgerechteres Leben mit ein, an das das Pferd gewöhnt werden sollte.

Welche Hindernisse dir begegnen könnten und wie du deinem Pferd eine schnelle Eingewöhnung ermöglichst, das haben wir für dich zusammengetragen. Wir haben unsere Pferde auch von Boxen- zur Offenstallhaltung umgewöhnt.

Die Umgewöhnung an den Offenstall sollte dem Pferd entsprechend angepasst werden. Änderungen in der Fütterung sollten im Vorwege geschehen, ebenso das Bekanntmachen mit einzelnen Herdenmitgliedern.

Umgewöhnung an das Leben im Offenstall

Die Frage, ob das Leben im Offenstall das non-plus-Ultra ist, darüber lässt sich in der Pferdewelt streiten. Jedes Pferd ist anders und deshalb muss es nicht für jedes Pferd funktionieren.

Hast du einen Umzug vor, solltest du beachten, wie sich die Futterzufuhr ändern wird und diese langsam umstellen. Sollte dein Pferd derzeit nur Heu fressen und auf einem Sandpaddock stehen, so wird die Umstellung auf eine 24h Graskoppel länger dauern. Damit keine plötzlichen Koliken auftreten, muss die Gewöhnung schrittweise erfolgen. So vermeidest du gesundliche Probleme.

Am einfachsten kannst du die Futterration umstellen, indem du das alte Futter langsam gegen das neue eintauscht. Jeden Tag tauschst du einen kleinen Teil der Portion in das neue Futter ein, bis du die gesamte Futterration getauscht hast und dein Pferd nur noch das neue Futter frisst.

Dennoch sind Rangkämpfe in einem gewissen Rahmen normal und geben den Pferden Sicherheit, da sie sich in ihrer Position auf die anderen Pferde verlassen können. Beurteile diese Streitereien für dein Pferd und ziehe die richtigen Schlüsse, denn wenn dein Pferd nicht in eine Herde passen will, ist es besser, wenn du eine andere Herde probieren kannst.

Ähnlich wie bei uns Menschen – es gibt immer Pferde, die nicht miteinander können. Sollten keine Pferde in der neuen Herde vorhanden sein, die dein Pferd akzeptieren, musst du überlegen, ob dies der richtige Weg ist.

Die Eingewöhnung in eine neue Herde vereinfachen

Pferde bilden Herdengemeinschaften mit einer Rangordnung aus. Innerhalb der Herde wird diese immer wieder neu ausgefochten. Ist die Rangordnung jedoch festgelegt, kommt die Gruppe erst mal zur Ruhe.

Diese Phase kannst du für dein Pferd angenehmer gestalten:

  • Zuerst gewöhnt man ein neues Pferd an ein verträgliches Pferd aus der Herde. Diese können ggfs. für ein paar Tage zusammenstehen, dann hat dein Pferd bereits ein anderes Pferd, bei dem die Rangordnung geklärt wurde.
  • Futter ist ein großer Streitpunkt, gerade bei neuen Pferden in der Gruppe. Stellst du ein neues Pferd in eine Herde, die an winzigen Heuraufen frisst, ist eine Streiterei vorprogrammiert. Besser ist es, wenn dein Pferd in eine Herde mit ausreichenden Futterraufen oder direkt auf einer Weide eingewöhnt wird. Hier kann sich die Gruppe gut verteilen und aus dem Weg gehen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die Integration eines neuen Pferdes in eine bestehende Herde funktionieren kann. Sieh dir die weiteren in unserem Artikel an: Pferd in neue Herde integrieren.

All diese Wege können nur funktionieren, wenn du einen Offenstall wählst, der den Pferden genügend Platz bietet, weiträumige Flächen zum Ausweichen und so viele Futterraufen oder Fressplätze hat, dass jedes Pferd Platz findet.

Ein guter Offenstall bietet auch für die rangniedrigen Pferde Platz zum Ausweichen. Ebenfalls sollte dein Offenstall ausreichend befestigte Flächen haben, damit die Herde bei Regen nicht dauerhaft im Matsch stehen muss.

Älteres Pferd in einen Offenstall umziehen

Pferde im höheren Alter sollten genauso artgerecht leben können, wie Pferde anderen Alters. Daher ist es wunderbar, dass du dein Pferd in einen Offenstall umziehen lassen möchtest.

Viel mehr noch, als bei jüngeren Pferden, benötigen ältere Pferde genügend Ausweich- und Ruhemöglichkeiten, da Sie bei Rangordnungskämpfen meistens den kürzeren ziehen – und dies auch oft freiwillig.

Um das ältere Pferd möglichst wenig Stress auszusetzen, ist eine stabile Herde vorzuziehen. Hier kommt es nicht mehr zu wiederholenden, neuen Rangordnungskämpfen.

Eine weitläufige Anlage mit genügend Futterplätzen ist unerlässlich, damit ältere Pferde nicht zu dünn werden. Wenn dein Senior um sein Futter kämpfen muss, tust du ihm damit keinen Gefallen. Zufütterung ist in einigen Fällen ratsam, trotzdem sollte dein Pferd auch alleine genügend Futter bekommen.

Sollten weitere, ältere Pferde in der Herde sein, ist dies von Vorteil. Ein paar jüngere Pferde halten auch die älteren auf Trab und animieren die älteren zu mehr Bewegung.

Pferde im Winter umgewöhnen

Idealerweise sollte dein Pferd so umgewöhnt werden, dass es sich auf der Weide mit den anderen beschnuppern kann und Streitereien durch den zur Verfügung stehenden Platz genügend Ausweichmöglichkeiten haben.

Daher ist der ideale Eingewöhnungszeitraum bis zum Ende der Weidesaison, dies ist meist bis September / Oktober und variiert je nach Wetterlage. Steht die Herde auf der Weide, ist die Ablenkung geringer, da alle mit Fressen beschäftigt sind und sich nicht alle gleichzeitig auf den oder die Neue stürzen, um die Rangordnung zu klären.

Unsere Pferde sind auch innerhalb der Weidesaison umgezogen, jedoch ist dies nicht immer möglich. Eine Umgewöhnung im Winter ist natürlich auch möglich, du solltest jedoch folgende Hinweise beachten:

  • Stellst du dein Pferd von der Boxenhaltung, die meist etwas wärmer ist als der Offenstall, dann wird dein Pferd nicht genügend Zeit haben, um das Winterfell auszubilden. Decke dein Pferd ausreichend ein, wenn es kein gutes Winterfell mehr bilden kann – egal aus welchem Grund.
  • Aus Erfahrung wissen wir, dass man in einigen Fällen eine Umstellung von gefütterter auf ungefütterte Decke machen sollte. Zum Beispiel die ungefütterte Decke von Horze, die dein Pferd auch bei Regen trocken hält. Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht: Pferdedecke Glasgow*. Kleiner Tipp: Diese Decke gibt es auch als Sommervariante* oder ganz ohne Füllung*. Durch die vermehrte Bewegung und die gleichmäßige, langsame Bewegung kühlt dein Pferd weniger aus, als man annehmen könnte.
  • Du erkennst gut, ob dein Pferd friert, da das Fell bei Kälte aufgestellt wird. Beobachte daher am besten dein Pferd einige Zeit im Offenstall. Gerade zugige Stellen und Situationen, in denen der Unterstand nicht betreten werden kann, sind entscheidend. Regnet es zusätzlich auf das dünne Fell deines Pferdes, kann es deinem Pferd sehr kalt und unangenehm werden.

Auswirkungen einer Umstellung in den Offenstall

Bei einem Umzug in einen Offenstall kommt es im Gegensatz zur Haltung in der Box zu mehr Bewegung sowie anfangs zu einem höheren Stresspegel. Diese Bedingungen führen bei vielen Pferden zur Gewichtsabnahme, sobald sie in einen Offenstall umgezogen sind.

Nach einigen Wochen sollte dein Pferd jedoch wieder so aussehen wie vorher, meist etwas schlanker, da es durch das Mehr an Bewegung nicht so viele Fettreserven ansetzen kann. Dies ist durch die Zufuhr an Futter bedingt.

Sollte dein Pferd von alleine nicht wieder zunehmen, kann es Sinn machen, wenn du kalorienhaltiges Futter für eine Zeit lang zufütterst.

Positive Aspekte sind für dein Pferd ein artgerechtes Leben in einem Herdenverband und damit viel Kontakt zu Artgenossen. Pferde brauchen Freundschaften und zeigen ihr ganzes Verhaltensrepertoire im Umgang mit anderen Herdenmitgliedern.

Unsere Ponys haben in unserem Offenstall ganz andere Ausdauer bekommen. Nach einigen wilden Runden im Galopp auf der Wiese – und wir haben eine wirklich riesige Wiese – war immer noch genügend Energie da, um das Ganze zu wiederholen. Durch die Bewegung verbesserte sich das Hufwachstum, sodass wir nun sehr stabile, harte Hufe haben und keine Probleme mehr mit herausbrechenden Wänden.

Ein Leben im Offenstall wird deinem Pferd zu einem besseren Immunsystem verhelfen, da es nicht mehr dem Feinstaub einer Boxenhaltung ausgesetzt ist und die ganze Zeit über den Wetterreizen Paroli bieten muss. Insgesamt profitiert dein Pferd von einer besseren Lebensqualität und damit auch einer größeren Zufriedenheit.

Und was ist, wenn die Umstellung nicht klappt?

Trotz aller Vorbereitung kann es passieren, dass dein Pferd in seinem neuen Offenstall nicht zurechtkommt. Die Herde akzeptiert ihn auch nach Wochen nicht, das Gewicht will trotz Futterumstellung nicht wiederkommen und sobald du dein Pferd zurückbringen willst, zeigt dein Pferd dir sehr deutlich, dass es lieber überall hingehen würde, nur nicht zurück.

Wir finden, dass wir Pferden das artgerechteste Leben ermöglichen müssen, dass in unserer Macht steht. Wenn es in diesem Offenstall nicht klappt, vielleicht in einem anderen oder auch in einer anderen Haltungsform wie zum Beispiel einem Aktiv- oder Laufstall?