Was ist ein Selbstversorgerstall

Pferdehaltung ist aufwendiger, als man denkt. Es gibt zwei Versorgungsmöglichkeiten, die sich sehr schnell erklären lassen. Zum einen gibt es den Pensionsstall und auf der anderen Seite den Selbstversorgerstall. Unter einem Pensionsstall kann sich jeder etwas vorstellen.

Was aber ist ein Selbstversorgerstall?

In einem Selbstversorgerstall müssen sich die Einsteller alle rund ums Pferd anfallenden Tätigkeiten alleine organisieren. Man versorgt sich und seine Pferde selbst – dies fängt beim Misten an, geht über das Weidemanagement, Abäppeln bis hin zum Entwurmen. Niemand gibt vor, wie und wann die Pferde versorgt werden und dies ist der häufigste Grund, warum Pferdebesitzer in einen Selbstversorgerstall wechseln.

Pferdehaltung ist ein großer Begriff, lies hier alles über artgerechte Pferdehaltung. Wenn du alle Grundlagen mit Pferden kennenlernen willst, sieh dir unseren Pferdewissen für Anfänger-Guide an.

Die klassische Haltung: der Pferdepensionsbetrieb

Wir alle kennen den klassischen Pferdepensionsbetrieb. Einige Annehmlichkeiten werden durch den Betrieb erbracht, sodass du dir meistens keine Gedanken über die grundlegende Versorgung deines Pferdes machen musst.

Die Infrastruktur und das Management übernimmt der Stallbesitzer für dich und gibt dabei immer vor, wie die Versorgung in seinem Stall abläuft.

In einem Pensionsbetrieb werden folgende Abläufe meistens durch den Betreiber sichergestellt:

  • Kauf und Lagerung von Futtermitteln
  • Fütterung der Pferde mit Kraftfutter und Heu
  • ggfs. Misten der Boxen, falls dies durch den Betreiber durchgeführt wird (Weiterlesen: Wie oft die Pferdebox misten?)
  • Abfuhr von Mist und Aufbereitung des Misthaufens
  • Weidezeit der Pferd in definierten Herden inklusive raus- und reinbringen
  • Weidemanagement mit Reparatur der Zäune, Instandsetzung Elektro und regelmäßige Prüfung
  • Umsetzen der Weidezäune je nach Witterung und Anzahl der Pferde
  • Nachsäen und Düngen der Weiden sowie Pflege der Weide
  • Haltung der Pferde in Ställen und zur Verfügung Stellung von Wasser, Strom, Heizung und funktionstüchtigen Gebäuden
  • Informieren der Besitzer, falls das Pferd gesundheitliche Auffälligkeiten zeigt
  • Pflege und Instandhaltung der Gebäude auf dem Hof: Reithallen, Longenhalle, Futterhalle, Reiterstübchen, …
  • Pflege und Instandhaltung der Außenanlagen mit Parkplatz, Reitplätzen, Longierzirkel, Galoppbahn, Vielseitigkeitsplatz, …

Diese ganzen Tätigkeiten sind für viele unverzichtbar. Der Betreiber der Reitanlage nimmt dir viele Dinge im täglichen Hobby des Pferdesportes ab.

Hinter einem Pensionsbetrieb steckt jede Menge Arbeit. Als Selbstversorger wirst du zu deinem eigenen Pensionsbetrieb.

Daneben gibt es in vielen Reiterhöfen Aufgaben, die du selbst machen musst. Dazu können zum Beispiel das Misten der Boxen und das Abäppeln der Weiden gehören. Oftmals wird auch verlangt, dass du Reitplätze und Reithalle sauber hinterlässt und die Stallgasse nach Benutzung fegst.

Die Grundversorgung deines Pferdes stellst du meistens selbst sicher, indem du Tierarzt und Hufschmied kommen lässt, wenn nötig.

Falls entwurmt wird, gibt es Betreiber, die nur den Zeitpunkt vorgeben, andere entwurmen alle Pferde alleine.

Was ist ein Selbstversorgerstall?

Als Gegenteil des Pensionsbetriebes – es klingt zunächst immer etwas nach Pferdehotel, was es ja auch zum Teil ist – ist der Selbstversorgerstall zu sehen. Alle rund um die Pferdehaltung anfallenden Aufgaben sind in Eigenregie durchzuführen.

Oftmals schließen sich einige Pferdebesitzer zu einem Selbstversorgerstall zusammen. Niemand ist ganz allein für alle Aufgaben zuständig, man teilt sich die Aufgaben nach Tagen oder Begabung auf und hilft sich gegenseitig.

Der Selbstversorgerstall ist die Pferdehaltung in Eigenregie. Vielfach siehst du eine Pferdeweide an einer Straße, die einen Wohnwagen oder eine kleine Hütte besitzt. Dies sind meistens Selbstversorgerställe.

Der Großteil der Selbstversorger besitzt keine Reithalle und keinen großen Pensionsbetrieb, sondern ist eher im Freizeitbereich angesiedelt und hat in einigen Fällen einen Außenplatz auf dem Gelände errichtet.

Wenn du in einem Selbstversorgerstall mit deinem Pferd oder als Reitbeteiligung stehen möchtest, gibt es viele Aufgaben, die du übernehmen kannst. Hier gibt es keine Angestellten oder einen Pensionsbetreiber, der den Einstellern den Rücken freihält. Zu den typischen Aufgaben können zum Beispiel zählen:

  • Weidemanagement mit Abäppeln der Weiden, Umsetzen der Zäune und Pflege der Weide mit Nachsäen und Überprüfen auf Giftpflanzen
  • Regelmäßiges Überprüfen der Zäune auf Funktion und Stabilität
  • Kauf von ausreichend Futter und sachgerechte Lagerung
  • Fütterung der Pferde je nach Wunsch Morgens/Mittags/Abends
  • Gesundheitliche Kontrolle und ggfs. Entwurmung
  • Lagerung des Mistes und Organisation der Abholung und Entsorgung
  • Misten der Boxen und Einstreuen, falls Boxen vorhanden sind

Vor- und Nachteile des Selbstversorgerstalles

Wie du jetzt weißt, bedeutet Selbstversorgerstall die Pferdehaltung in Eigenregie. Dies hat einige Vor- aber auch Nachteile, die jeder für sich selbst abwägen muss.

Zu den größten Vorteilen zählt in jedem Fall die Entscheidungsfreiheit.

Im Selbstversorgerstall kann der Besitzer die Pferde so halten, wie er es für richtig hält. Das beginnt bei der Fütterung, geht über die richtigen Weidezeiten und endet beim Weidemanagement.

Ein weiterer Vorteil sind die geringeren Kosten, gerade, wenn man mehrere Pferde hält und nicht den Luxus eines Pensionsbetriebes braucht.

Der Traum von der Pferdehaltung wird meist durch die anfallende Arbeit etwas gedämpft. Die Nachteile des Selbstversorgerstalls sind die zusätzlichen Aufgabenbereiche, die organisiert und durchdacht werden müssen.

Von A bis Z ist bei der Selbstversorgerhaltung einiges zu beachten und regelmäßig umzusetzen. Fütterung, Medikamentengabe, Hufschmiede und Tierarzt, Weidemanagement und Organisation von Heu, Kraftfutter und Stroh beanspruchen Zeit.

Neben diesen Tätigkeiten kann das Pferd und der Reitsport an sich etwas kürzer kommen, als das in einem Pensionsbetrieb der Fall ist.

Erfahrung im Selbstversorgerstall

Diese Haltungsform haben wir auch schon ausprobiert – nicht als Besitzer des Selbstversorgerstalles aber als Gruppe von Pferdebesitzern, die sich gemeinsam organisieren. Mit Hilfe von Listen und WhatsApp Gruppen wurden Weidezeiten, Fütterung und Urlaubsvertretung organisiert.

Voraussetzung für diese Haltung ist ausreichend Zeit. Wer nur ein oder zweimal in der Woche zum Pferd fährt, der wird sich entweder mit anderen Einstellern absprechen müssen oder muss sich doch überlegen, in einen Pensionsbetrieb zu wechseln.

Wer berufstätig ist und auch spontan etwas länger arbeiten muss, der könnte Probleme haben, sich an Absprachen zu halten. Für uns klappte dieses Konzept gut, bis die Arbeit in Vollzeit begann.

Nach Feierabend oder auch nach einem langen Tag in Schule oder Uni möchte man vielleicht doch lieber direkt ausreiten und nicht den Misthaufen umbauen, um danach die gesamte Weide abzuäppeln.

Der grundlegende Unterschied zwischen Selbstversorgerstall und Pensionsbetrieb

Zum Teil können beide Haltungsformen mit Hotel und Ferienwohnung verglichen werden. Wo man im Hotel weiß, dass man sich ganz auf den Urlaub konzentrieren kann und sich keine Gedanken um das Abendessen oder frische Bettwäsche machen muss, ist in der Ferienwohnung alles viel flexibler und individueller.

Der Selbstversorgerstall bietet mehr Raum zur Umsetzung eigener Ideen, mehr Flexibilität und Individualität.

Weniger Einstellpferde ergeben weniger Meinungen und damit die Möglichkeit, die Pferdehaltung so zu gestalten, wie man wirklich möchte.

Im Pensionsbetrieb kann man so viel Unterstützung buchen, die sich im monatlichen höheren Preis niederschlägt, dass man nur noch zum Reiten kommen muss. Weide, Misten und Fütterung werden durch den Betrieb sichergestellt. Als Selbstversorger bist du für alles verantwortlich, was vieel Vor- aber auch Nachteile mit sich bringt.