Pferd will nicht auf die Weide – mögliche Gründe

Auf der Weide in seiner Herde kann das Pferd ganz Pferd sein. Viele Pferde rennen und ziehen regelrecht zur Weide hin. Wenn dein Pferd das absolute Gegenteil ist, kann das viele Gründe haben.

Du musst also Ursachenforschung betreiben.

Damit dir das leichter gelingt, haben wir für dich mögliche Gründe für das Verhalten deines Pferdes zusammengetragen.

Will ein Pferd nicht auf die Weide, kann das an verschiedenen Gründen liegen. Es hat gesundheitliche Probleme, das Laufen in der Herde fällt ihm schwer, in seiner Box ist diese Gefahr nicht vorhanden.

Die Herdenzusammensetzung kann das Problem sein oder auch die Weide an sich. Mit Golfrasengras möchte kein Pferd einen halben Tag verbringen.

Grund Nummer 1: Gesundheitliche Gründe

Dieser Grund mag dir komisch vorkommen, bei sehr pferdeuntypischem Verhalten solltest du immer auch die Gesundheit deines Pferdes im Auge behalten.

Hast du dir schon mal überlegt, dass dein Pferd bestimmte Bewegungen nicht locker und schmerzfrei durchführen kann und deswegen lieber nicht zu den anderen Pferden auf die Weide will?

Steht dein Pferd zudem auch noch schnell am Tor oder ist in der Rangordnung ganz unten, kann dies daraufhin deuten, dass dein Pferd gesundheitlich nicht in der Lage ist, sich zur Wehr zu setzen.

Schnelle Sprints oder enge Wendungen könnten ihm Probleme bereiten, sodass es diese Bewegungen lieber ganz meidet und in seiner Box bleiben will.

Ist dein Pferd schon älter, könnte es Probleme haben, auf der Weide zu schlafen.

Es legt sich lieber im Stall hin, wo es sich sicher fühlt und braucht mehr Ruhe, als früher. Kann die Herdenzusammenstellung ihm dieses nicht bieten, will es lieber im für ihn sicheren Stall bleiben.

Ziehe einen Tierarzt zurate, um gesundheitliche Beeinträchtigungen ausschließen zu können. Regelmäßig sollten die Zähne kontrolliert werden und ein Osteopath dein Pferd auf Verspannungen und blockierte Nerven kontrollieren.

Bei älteren Pferden kommen Erkrankungen hinzu, die im fortgeschrittenen Alter öfter vorkommen wie zum Beispiel Arthrose.

Grund Nummer 2: Die Weide ist das Problem

Viele Pferdehöfe haben zu viele Pferde auf einer zu kleinen Weide. Nachdem die Weidesaison eröffnet wurde, ist das Gras bereits nach wenigen Wochen komplett abgefressen.

Bringst du jetzt dein Pferd auf die Weide, gibt es dort nichts mehr zu fressen. Das wenige Gras, was dein Pferd mühsam mit seinen Zähnen ergattern kann, macht einfach nicht satt. Steht dein Pferd längere Zeit draußen, kann es sein, dass es seine Box der Weide vorzieht.

Im Stall gibt es Futter und Heu, auf der Weide meist nur sehr wenig Gras. Dein Pferd verbindet mit mehreren Stunden auf der Weide möglicherweise Hunger und auch Bauchschmerzen.

Gerade wenn die Weide sehr abgefressen ist, hilft es sehr, gute Zusätze zur Ergänzung zu füttern. Damit dein Pferd auf seine tägliche Menge Vitamine und Mineralstoffe kommt, kannst du zum Beispiel Pavo SummerFit* kaufen und zusätzlich zum Weidegang füttern.

Ist das Gras sehr stark abgefressen, sollte die Weide gewechselt, geteilt oder Heu zugefüttert werden.

Das Gras ist so kurz, dass das Pferd kaum noch Nährstoffe bekommt.

Grund Nummer 3: Die Herde ist das Problem

Ähnlich wie bei den gesundheitlichen Gründen können unangenehme Artgenossen der Grund für die Widersetzlichkeit deines Pferdes sein. Eine stabile und passende Herdenzusammensetzung bietet deinem Pferd Sicherheit und die Möglichkeit, Freundschaften zu schließen.

Leider werden Herden in vielen Reiterhöfen sehr oft neu zusammengestellt, sodass die Rangordnung immer wieder neu ausgefochten werden muss.

Weiterhin kann dein Pferd in einer Herde mit einer ungeraden Anzahl an Pferd schnell „der Außenseiter“ werden. Ist dein Pferd neu hinzugekommen, muss es sich erst einfinden.

Steht dein Pferd schon mehrere Monate auf der Weide und es weigert sich, auf die Weide zu gehen – sieh dir noch mal Grund 2 an. Vielleicht ist es auch die Weide und nicht die Herde an sich.

Damit du genau weißt, ob die Herde das Problem ist, solltest du dein Pferd auf der Weide längere Zeit beobachten. Wird dein Pferd nur verjagt und darf zum Beispiel nicht in den Unterstand oder hat es sogar einen Freund in der Herde gefunden, mit dem es Fellpflege machen darf?

Wie bei Grund 2 kannst du eine unpassende Herde auch daran erkennen, dass dein Pferd sich nicht der Herde nähert, vor dem Tor stehen bleibt und am liebsten wieder in den Stall möchte. Ob es an zu wenig Futter oder an den falschen Artgenossen liegt, musst du selbst herausfinden.

Passt die Zusammenstellung der Herde nicht zu deinem Pferd, solltest du dies offen mit dem Hofbesitzer besprechen. Vielleicht hilft der Wechsel in eine andere Gruppe, damit dein Pferd wieder gerne auf die Weide geht.

Grund Nummer 4: Das Wetter ist das Problem

Ja, jetzt werden einige sagen – ein Pferd ist kein Mensch und wir sollten das Pferd nicht vermenschlichen. Pferde sind dazu geboren, Tag und Nacht bei Wind und Wetter draußen zu leben.

Ein gesundes Immunsystem versorgt das Pferd mit allem, um Krankheiten abzuwehren und auch, um ein ausreichendes Winterfell auszubilden.

Wir kennen alle Pferde, die aufgrund jahrelangen Tragens von Decken nur noch ein unzureichendes Winterfell ausbilden. Genau diese Pferde freuen sich, wenn sie früher wieder in den Stall dürfen und können sich sperren, bei schlechtem Wetter auf der Weide ohne Unterstand zu stehen.

Mehr Tipps, wenn dein Pferd im Regen friert, haben wir für dich hier in unserem Artikel.

In den meisten Fällen ist das Wetter jedoch nicht der Grund und die Herde oder das nicht vorhandene Angebot an Futter und auch gesundheitliche Probleme der Auslöser für das Verhalten. Dennoch solltest du alle Möglichkeiten genau unter die Lupe nehmen.

Grund Nummer 5: Dein Pferd macht, was es will

Diese Ursache listen wir hier ganz als letzten Grund auf. Es gilt immer das Gesamtbild im Umgang mit deinem Pferd.

Glaubst du dein Pferd „verarscht dich nur“, wenn es nicht auf seine Weide möchte? Wir sagen: Im Zweifel lieber die Gründe 1 – 4 zuerst genauer analysieren.

Wenn dein Pferd dich immer über den Hof zieht, nach dir Tritt und beißt und dann auch nicht auf die Weide möchte, dann hat dein Pferd eindeutig das Sagen. Du solltest an deinem Umgang mit deinem Pferd in jedem Fall arbeiten.

Seit ihr im Umgang aber ein eingespieltes Team und ihr habt ein isoliertes Problem, was sich nur an der Weide abspielt, sieh dir die anderen Gründe genauer an.

Grund Nummer 6: Die vielen Fliegen und Bremsen stören

Wenn dein Pferd immer mittags zwischen 11 Uhr und 14 Uhr auf die Wiese kommt, ist nicht nur die Sonne ziemlich stark, sondern unter Umständen auch der Insektendruck viel zu hoch.

Solange du dein Pferd mit passender Fliegenausrüstung ausstattest, sollte es deinem Pferd nichts ausmachen, sich mit Fliegen und Bremsen die Weide zu teilen.

In unserem Artikel –Welche Fliegenmaske für mein Pferd– geben wir dir wertvolle Tipps für den richtigen Schutz deines Pferdes gegen Fliegen an den Augen.

Bei sehr hartnäckigen Bremsen hilft neben Fliegenschutz auch Bremsen Blocker von Effol*. Das kann euch auch auf Ausritten ein wertvoller Begleiter sein.

Unsere Erfahrungen – wenn das Pferd vor dem Tor parkt

Alle vier Beine stehen zwei Meter vor dem Tor und unsere Stute sagte – auf keinen Fall.

Wir haben einige Zeit in einem Stall gestanden, bei dem unser Connemarapony einfach nicht so richtig gerne zurück auf die Weide wollte.

Im Nachhinein wissen wir auch warum, denn nach einem Stallwechsel gab es dieses Problem nicht mehr und die Weide wurde sehr gerne besucht.

Die verhasste Weide hatte zu wenig Gras für zu viele Pferde.

Es wurde auch kein Heu zugefüttert, sodass es keinen wirklichen Anreiz gab, auf die Weide zu gehen. Zusätzlich hatte unsere Stute unter den vielen Warmblütern keinen Anschluss gefunden und versuchte nur „irgendwie“ unauffällig zwischen den anderen Pferden unterzutauchen, bevor sie endlich wieder in die Box durfte.

Steht dein Pferd vor der Weide und will nicht weitergehen, dann gibt es aus unserer Sicht einen guten Grund.

Hilf deinem Pferd und finde den Auslöser für sein Verhalten.

In unserem Fall war die Lösung durch einen Stallwechsel zufällig gefunden worden: Keine Warmblüter auf Golfrasen, sondern lieber eine gemischte Herde mit mehr Platz zum Ausweichen.

Bei einer größeren Gruppe fand sich dann auch ein Pferd, mit dem die Chemie stimmte und ein bester Freund gefunden wurde.