Alleine ausreiten – Tipps für Pferd und Reiter

Du möchtest unabhängig von deinen Stallfreunden ausreiten können, genau dann, wann du willst und wohin? Dann geht es dir wie vielen, die gerne entspannt alleine ausreiten gehen möchten, aber gerade vor dem ersten Ausritt alleine etwas mehr Respekt haben.

Vielleicht möchtest du auch einfach abschalten und alleine mit deinem Pferd die Natur genießen, Gründe alleine auszureiten gibt es viele. Leider gibt es einige Pferde, die damit ein Problem haben und lieber gar nicht alleine ins Gelände wollen. Wir haben die besten Tipps und Tricks aus unserem Stall für euch zusammengetragen.

Das erste Mal alleine ausreiten – Tipps, damit es für Pferd und Reiter entspannt wird

Wer alleine ausreitet, sollte vor allem an seine Sicherheit denken. Ein Helm ist ein absolutes Muss, eine Sicherheitsweste für sehr nervöse Pferde in jedem Fall zu benutzen.

Unser Tipp: Sicherheitswesten müssen heute nicht mehr unbequem und unmodisch sein. Wir haben für dich einen tollen, modischen und leichten Rückenprotektor bei Horze entdeckt. Schau ihn dir hier* doch einmal an.

Ob die Sicherheitsweste benötigt wird, entscheidest du selbst, denn du kennst dein Pferd am besten. Im Zweifelsfall solltest du diese lieber einmal zu viel als einmal zu wenig tragen.

Wenn du alleine ausreitest, solltest du immer ein Handy am Körper tragen. Niemals in der Satteltasche aufbewahren, stürzt du und dein Pferd läuft weg, kannst du niemandem Bescheid sagen, um Hilfe zu holen.

Zusätzlich ist es sinnvoll, wenn du im Stall Bescheid sagst, dass du alleine ausreiten gehst und wohin du reiten möchtest. Solltest du nicht zurückkommen, wird sich jemand auf die Suche machen können.

Wenn der erste Ausritt alleine ansteht, solltest du diesen möglichst gut vorbereiten, damit du und auch dein Pferd schon vorher entspannt sein könnt. Damit der erste Ausritt alleine klappt, solltest du Folgendes bedenken:

  • Nichts vom Zaun brechen, wenn ein Sturm aufzieht oder Gewitter angekündigt wird, auf einen anderen Tag ausweichen.
  • Deine Angst überträgt sich auf dein Pferd – du vermittelst deinem Pferd Sicherheit und kannst dies am besten, wenn du dies wirklich fühlst.
  • Wähle eine bekannte Strecke, die du schon oft mit anderen geritten bist oder wo ihr bereits spazieren wart.
  • Keine langen Galoppreprisen, lieber viele Übergänge einbauen, das beschäftigt dein Pferd besser

Vor dem ersten Ausritt alleine solltest du mit deinem Pferd möglichst einige Ausritte in der Gruppe gemacht haben. Wenn du das Gelände bereits kennst, gibt dir das Sicherheit, wenn du nicht während deines ersten Ausrittes alleine die Orientierung verlierst.

Dein Pferd kann bei Ausritten in der Gruppe gut lernen, vorne zu laufen. Wird es unsicher, kann wieder eine Position innerhalb der Gruppe gewählt werden. Gerade jüngere Pferde lernen so, dass sie mutiger vorne alleine laufen können.

Wer alleine ausreitet, ist im Vorteil, wenn das Verhalten des Pferdes richtig gedeutet werden kann. Tänzelt mein Pferd erst und nimmt dann Reißaus? Kannst du einschätzen, ob du dein Pferd einfach mehr ermutigen musst, durch diese Pfütze zu gehen?

Bei einem Ausritt zeigt sich, wie gut dein Pferd dir vertraut oder dich nicht anerkennt und lieber wieder zu seinen Pferdefreunden möchte. Um diese Sicherheit vermitteln zu können, müssen die Grundlagen bereits stimmen.

Ob Wald, Heide oder Feld – du suchst dir eine Runde aus, wo du dich wohl fühlst.

Warum du nicht quer über die Felder galoppieren musst

Das kannst du natürlich tun, wenn du das Gefühl hast, dein Pferd trotzdem unter Kontrolle zu haben.

Wesentlich entspannter ist es zunächst, nur Schritt und Trab zu reiten. Wenn du langsam beginnst, baust du Schritt für Schritt das Vertrauen zu deinem Pferd auf.

Wie lange du wirklich Schritt reiten solltest, bevor du antrabst, erklären wir dir hier: Schritt reiten – so lange solltest du aufwärmen.

Alleine ausreiten – was Bodenarbeit damit zu tun hat

Neben den Tipps und Tricks, um alleine besser ausreiten zu können, ist die Bodenarbeit und damit die Klärung eurer Rangfolge wichtig. Vermittelst du deinem Pferd die Sicherheit, die es braucht, wird es auch im Gelände ruhiger werden.

Beim Ausritt zeigt sich, wie gut dein Pferd auf dich hört. Vor allem in Extremsituationen musst du dich auf dein Pferd verlassen können.

Ein ‚Steh‘ muss gerade vor Straßen immer ein ‚Steh‘ bleiben. Hast du hier noch zu diskutieren, bringt euch das beide in Gefahr.

Am Boden festigst du die Regeln, damit dein Pferd dich respektiert und dir sein Vertrauen schenkt, weil du immer konsequent bist. Du solltest also eine sichere Basis haben, bevor du alleine ausreitest.

Die absoluten Grundlagen umfassen zum Beispiel das richtige Führen ohne Rempeln, Ziehen oder ungefragtes Stehen bleiben. Hört dein Pferd in diesen täglichen Situationen schon nicht, wird es auf einem Ausritt nicht besser.

Folgende Aufgaben kannst du in Vorbereitung auf das Ausreiten trainieren:

  • Richtiges Führen
  • Anhalten und Losgehen – nur wenn du das sagst
  • Weichen und Folgen
  • Über Stangen, Planen und sonstige Schreckgespenster gehen

Dies erscheint dir jetzt vielleicht sehr weit vom Ausreiten entfernt. Eine gute Beziehung zum Pferd zahlt sich in jedem Fall aus – immer dann, wenn es brenzlig wird und du auf ein sofortiges Hören angewiesen wärst. Zum Beispiel, wenn du durchparieren willst – dein Pferd aber durchgehen möchte.

Junge Pferde alleine ausreiten

Wie alle Pferde fühlen sich Pferde im Herdenverband am wohlsten. Die Herde bietet Sicherheit und sichert damit das Überleben.

Du übernimmst im Umgang mit deinem Pferd diese Position.

Respektiert und vertraut dir dein Pferd wird es überall mit dir hingehen.

Dies ist bei alten, aber auch bei jungen Pferden nicht anders.

Junge Pferde haben aber vieles einfach noch nicht gesehen und können sich daher etwas öfter erschrecken. Zusätzlich müssen junge Pferde noch lernen, dass sie Hindernisse jeglicher Art und auch im übertragenen Sinne überwinden können.

Reite daher zur Vorbereitung ein junges Pferd viel in der Gruppe aus. Übergänge und ein Entfernen von der Gruppe kannst du bei diesen Ritten immer wieder einbauen. Die erfahrenen Pferde dienen als Vorbild und geben dir ein sicheres Gefühl, dass du auf dein Pferd überträgst.

Gibt es Verständnisschwierigkeiten beim Ausreiten, solltest du zurück zur Basis gehen, die in der Bodenarbeit gelegt wurde.

Die richtige Vorbereitung ist wichtig und wird sich auszahlen, so kann dein Ausritt alleine zum Erfolg werden.

Durch viel Übung kannst du mit deinem Pferd auch Bachläufe durchqueren.

Wenn die Angst vor dem Ausritt alleine zu groß ist – Übungen, damit ihr entspannter werdet

Trotz aller guten Vorbereitung und Klärung der Rangordnung verschwindet bei dir das Gefühl der Unsicherheit nicht. Was ist, wenn doch ein Traktor genau auf dem Weg fährt, den ich reiten will – und mein Pferd sich aufregt?

Spazierengehen hilft vor dem Ausreiten sehr gut.

Vom Boden aus hast du eine andere Einwirkung und Position, die sich meist positiv auswirkt. Das, was du im Sattel nicht durchsetzen kannst, kannst du möglicherweise vom Boden aus.

Gehe mit deinem Pferd die Runden zu Fuß spazieren, die ihr ausreiten würdet. Beginne mit kleinen Runden und vergrößere immer mal etwas. Lässt du dein Pferd kontrolliert grasen, entspannst du dich aber auch dein Pferd.

Ein paar Tipps hatten die Mädels aus unserem Stall:

  • Gruppen geben dir und deinem Pferd mehr Sicherheit beim Spazieren, aber auch beim Reiten. Vielleicht reicht es auch, wenn jemand mitläuft?
  • Mit den Jahren werden Pferde ruhiger und entspannter im Gelände, es kann also etwas dauern, bis dein Pferd entspannt durchs Gelände schlürft.
  • Umweltreize sollten nicht nur beim Ausritt auf das Pferd einprasseln. Wer sein Pferd nur in der Box hat und in der Halle reitet, sollte sich über ein extra schreckhaftes Pferd nicht wundern.

Der richtige Zeitpunkt kann seinen Beitrag zu einem entspannten Ausritt beitragen: Bei gutem Wetter und nicht in der Dunkelheit bist auch du viel entspannter.

Solltest du wissen, dass dein Ausritt oder dein Spaziergang länger dauert, benötigst du die richtige Ausrüstung. Wir zeigen dir, welche Gegenstände du benötigst, damit du dich und dein Pferd nicht gefährdet und ihr immer sichtbar seit.

Unsere Erfahrung, alleine auszureiten

Wir fühlen uns zu zweit sehr wohl und empfinden unsere Pferde dann ebenfalls als ruhiger und entspannter. Trotzdem gehen wir auch gerne alleine ins Gelände. Mit dem kleinen Doonie auch schon an der Hand.

Wirklich schön wurden die Ausritte alleine jedoch erst durch Vorbereitung und viele, sehr sehr viele Wiederholungen. Sollte dein Pferd also noch nicht so weit sein, lass ihm die Zeit und probiere es mit Spaziergängen.

Zusammenfassung – so gelingt der Ausritt alleine

Um einen erfolgreichen Ausritt alleine zu erleben, kannst du vieles vorbereiten. Denn die Vorbereitung ist schon die halbe Miete für einen gelungenen Ritt in den Wald!

Spaziergänge zu zweit entspannen dich und dein Pferd und machen dich mit dem Gelände vertraut. Reite mit deinem Pferd bereits in der Gruppe viel aus – so lernt dein Pferd mit unterschiedlichen Situationen umzugehen.

Pferde, die zögern oder ängstlich sind, bietet der Ausritt in der Gruppe Sicherheit und lässt sie mutiger werden. Variiere deine Position in der Gruppe: Mal vorne, mal in der Mitte und mal am Ende der Gruppe lernt dein Pferd, aufzupassen.

Etwas spielt auch das richtige Wetter eine Rolle. Suche dir keinen Tag aus, bei dem es stark stürmt, Gewitter gibt oder es regnen soll. Seit ihr beide durchnässt, liegen die Nerven erst recht blank und dein Pferd wird viel schneller frieren und schneller nervös werden.

Gib deinem Pferd ebenfalls Sicherheit durch dein konsequentes und sicheres Handeln. Bodenarbeit ist auch für das Reiten der Schlüssel. Bei einer guten, vertrauenswürdigen Pferde-Mensch-Beziehung wird dein Pferd überall mit dir hingehen.