10 Dinge, die du vor dem ersten eigenen Pferd wissen solltest

Zwischen Theorie und Praxis liegen beim eigenen Pferd Welten. Die Vorstellung weicht oftmals weit von dem ab, was dich mit deinem Pferd wirklich erwartet.

Die folgenden 10 Dinge, sind die, die du erst erfährst, wenn du ein eigenes Pferd hast und alle neuen Pferdewelten entdeckst. Weißt du sie schon, bevor du ein Pferd kaufst, bist du besser vorbereitet und hast weniger Überraschungen.

Warum du dich mit Versicherungen beschäftigen musst

Als Pferdehalter bist du für alles, was dein Pferd anrichtet verantwortlich. Selbst, wenn du die Kontrolle über dein Pferd verloren hast – und aus diesem Grund ist eine Versicherung für Pferdebesitzer ein absolutes Muss!

Die Pflicht, dein Pferd zu versichern, besteht nicht. Hast du keine Versicherung, wirst du jedoch für alle Schäden, die dein Pferd verursacht, zur Kasse gebeten. Das kann schnell existenzbedrohend werden, weshalb der Punkt Versicherung unser erster Punkt auf der Liste ist.

Jeder Pferdebesitzer sollte eine Pferdehaftpflicht für sein eigenes Pferd abschließen.

Du fragst dich jetzt sicherlich, was dein Pferd für Schäden anrichten kann, die so teuer sind, dass eine Versicherung und nicht du dafür aufkommen sollte. Ein paar Beispiele:

  • Dein Pferd reißt sich beim Longieren los und zerstört die Hallenbande. Hohe Reperaturkosten zur Wiederherstellung summieren sich hier schnell.
  • Bei einem Ausritt buckelt dein Pferd und läuft auf eine Straße – dabei wird ein Autounfall verursacht. Dieses Szenario ist gar nicht mal so unrealistisch: schnell kommen hier hohe Summen für einen Schaden zusammen.
  • Du transportierst dein Pferd in einem fremden Pferdeanhänger, beim Aussteigen erschreckt sich dein Pferd und verursacht einen Schaden an der Laderampe, die jetzt nicht mehr richtig schließt. (Wichtig: nicht alle Versicherungen decken Pferdeanhänger mit ab – unbedingt darauf achten!)

Solange am PKW der Pferdeanhänger angeschlossen ist, greift die KFZ-Versicherung. Sollte sich der Pferdeanhänger während der Fahrt lösen und einen Unfall verursachen, ist guter Rat teuer.

Dies ist eine heikle Geschichte!

Denn jetzt ist der Pferdeanhänger nicht mehr am PKW angeschlossen und eine eigene Versicherung kann hier hilfreich sein. Das kann auch schon schnell beim Rangieren passieren, wenn der Anhänger ein Fahrzeug streift, dabei abspringt und ein Schaden am anderen Fahrzeug entsteht.

Achte bei einer Versicherung auf die Höhe der Deckungssumme. Ebenfalls solltest du genau prüfen, welche Reiter versichert sind. Nur du, deine Reitbeteiligung, fremde Reiter und auch Freunde, die mal eine Runde drehen dürfen? Wie oben geschrieben ist es sinnvoll, wenn die Fahrt in Pferdeanhängern ebenfalls abgedeckt ist.

Ein wichtiges Thema ist die Höhe der Selbstbeteiligung. Diese kann in Prozenten oder als fester Betrag angegeben werden. Hast du Prozente in deiner Versicherung, kann das zu einem Problem werden: bei einer Schadenssumme von 1 Mio. €, müsstest du selbst bei 20 Prozent immer noch 200.000 € aufbringen. Unser Tipp: Lieber Versicherungen mit fester Selbstbeteiligung wählen.

Neben der Pferdehaftpflichtversicherung gibt es noch weitere Möglichkeiten, sein Pferd abzusichern. Viele benötigst du nur, wenn dein Pferd älter ist, bereits eine gesundheitliche Vorgeschichte hat oder du sehr aktiv auf Turnieren bist. Das sind zum Beispiel:

  • OP-Versicherung
  • Krankenversicherung

Diese Versicherungen lohnen sich bei längeren Krankheitsbehandlungen. Je älter dein Pferd wird, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es hohe Tierarztrechnungen aufruft. Aus diesem Grund macht die Pferdekrankenversicherung Sinn, wenn dein Pferd in fortgeschrittenem Alter ist.

Es kommen Tage, da hast du keine Lust auf dein Pferd

Wie toll du dein Pferd auch findest, es wird Tage geben, da hast du einfach keine Lust aufs Pferd. Und das ist wirklich normal. Als Pferdebesitzer bekommst du alle Tage mit: Wenn es dir selbst nicht gut geht, wenn es deinem Pferd nicht gut geht.

Bei Dauerregen, bei Sturm, wenn die Temperaturen über 35 Grad klettern. An Feiertagen, nach einem anstrengenden Arbeitstag, mitten in der Prüfungsphase – nicht immer passt das Pferd ins Leben. Diesen Umgang muss man erst lernen, um seinem Pferd gerecht werden zu können.

Das schöne am eigenen Pferd ist, dass du selbst jederzeit bestimmen kannst, was ihr machen wollt.

Als Pferdebesitzer musst du nicht perfekt sein und darfst dir auch mal einen Tag ohne Pferd erlauben, wenn dir danach ist. Wichtig ist, dass du den passenden Stall und damit die passende Versorgung für dein Pferd wählst. Dazu zählt auch eine Reitbeteiligung.

Mehr zu diesem Punkt erfährst du unter Punkt 5.

Horsemanship ist die wichtigste Lektion

Wer sich ein Pferd kauft, schätzt sich meist nicht mehr als Anfänger ein. Du hast verschiedene Pferde geritten, erlebt und begleitet, die dich in deinem Umgang mit einem Pferd geprägt haben.

Aufgrund dieser Erfahrung glauben viele neue Pferdebesitzer, dass sie sich bereits gut im Thema Horsemanship auskennen.

Aus unserer Erfahrung – nein. Die Verbindung mit einem eigenen Pferd ist intensiver und daher auch schneller mit Konfrontationen und dem Thema Horsemanship in Verbindung zu bringen. Man glaubt, das eigene Pferd wäre einfach anders und besser, als all die anderen Pferde oder Ponys, die man schon geritten ist.

Vielfach schätzt man sein eigenes Pferd als braver ein, als es in Wirklichkeit ist. Zusätzlich hat man die rosarote Brille auf, die die Verhaltensweisen des Pferdes etwas weicher zeichnen.

Wir wissen alle, dass man sich davon nicht beeinflussen lassen sollte, weshalb dieser Punkt mit auf der Liste der Top 10 Gründe gelandet ist, die du vor dem Pferdekauf wissen solltest.

Dein eigenes Pferd braucht eine genauso konsequente Behandlung, wie vorherige Reit- oder Pflegebeteiligungen.

Es ist sogar noch wichtiger, konsequent zu bleiben, denn man selbst erlebt die Folgen des unerzogenen Pferdes – und nicht mehr die anderen Besitzer und Reitbeteiligungen, mit denen man sich das Pferd teilt.

Pferde zu verstehen hört nie auf. Wer sich ein eigenes Pferd kauft, muss die Eigenheiten seines Pferdes erst noch lernen und sollte sich mit dem Thema Horsemanship gut auskennen und sich immer weiterbilden: Kurse, Seminare, Training, Vorführungen, Bücher, DVDs und so weiter.

Den richtigen Umgang mit Pferdefachleuten erlernen und nicht mehr alles glauben

Wer den Blickwinkel von Reitbeteiligung zum eigenen Pferd erlebt, der wird auch erleben, wie sich der Blick anderer Einsteller auf dich verändert.

Besitzt du ein eigenes Pferd, wirst du plötzlich als kompetenter wahrgenommen. Wer eine Reitbeteiligung oder Pflegebeteiligung hat, wird gerne mit gut gemeinten Ratschlägen überhäuft.

Den Status des Pferdebesitzers solltest du nutzen, um die Ratschläge, die du immer bekommen hast, genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wir möchten dir raten, dir eine eigene Meinung zu den Themen in der Pferdewelt zu bilden. Das fängt bei der Frage nach der richtigen Haltung an und endet bei der Ausbildung deines Pferdes. Ob du für oder gegen Offenstallhaltung bist, statt Dressur- die Westernreiterei bevorzugst oder Sperriemen und Sporen ablehnst, das solltest du aufgrund deiner bisherigen Erfahrungen für dich entscheiden können.

Wie beim vorherigen Punkt hört das Lernen niemals auf: Viele Vorgänge und Theorien rund ums Pferd werden widerlegt und verändern sich. Einige Pferdefachleute tun dies leider nicht und du solltest zum Wohle deines Pferdes entscheiden, wem du Glauben schenkst und wem nicht.

Ist die Stimmung im Stall gut, ist auch die Weidezeit für dein Pferd erholsamer.

Die Bedeutung der Stallbesitzer und der anderen Einsteller

Als Pferdebesitzer bist du oftmals auf die Einsteller und besonders auf den Stallbesitzer angewiesen. Es geht um Absprachen zur Fütterung, zum Weidegang, zur Medikamentengabe oder zum Anziehen der Glocken vor dem Ausflug auf die Wiese.

Vieles basiert auf Vertrauen und ist aus diesem Grund schnell angreifbar.

Daneben ist eine gute Stimmung im Stall wesentlich für schöne Stunden mit deinem Pferd. Zickereien oder sogar Mobbing vermiesen dir dein Hobby, weshalb du die Stallgemeinschaft und den Hofbesitzer genau unter die Lupe nehmen solltest, bevor du dich für den jeweiligen Pensionsstall entscheidest.

Wieso dein Hufschmied Dreh- und Angelpunkt wird und warum du mehr über Hufe wissen solltest

Ohne gute Hufe ist alles nichts – wie wichtig die vermeintlich schnöden Hornschuhe sind, wird dir mit einem eigenen Pferd richtig klar. Zum einen brauchst du einen verantwortungsbewussten und verlässlichen Hufschmied, der sein Handwerk versteht und deinem Pferd regelmäßig die Hufe macht.

Zum anderen solltest du dich mit dem Thema Hufe auseinandersetzen. Sehr oft wirst du mal ein abgetretenes Eisen haben, ein Stückchen Hufwand ist hinausgebrochen oder ein Riss bildet sich in der Hufwand.

Wer für sein Pferd die richtigen Experten haben möchte, muss die Grundzüge des Hufes verstehen.

Bei unserer Stute trat ein Riss in der Hufwand auf. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nur, wie man die Hufe richtig auskratzt, denn – den Rest macht ja schon der Hufschmied. Wir vertrautem dem Profi voll und ganz und sahen zu, wie der Riss, trotz regelmäßiger Bearbeitung, immer größer, statt kleiner wurde.

Nachdem sich aus dem Riss auch noch ein Hufabszess entwickelte, wussten wir, dass hier etwas nicht stimmen kann. Bis dahin konnten wir den Huf nicht lesen, verstanden nicht wirklich, wie ein gesunder Huf aussah oder was der Hufschmied wo raspelt und schneidet.

Wir fingen an, an den Fähigkeiten des Hufschmiedes zu zweifeln und wechselten zu einer Huforthopädin, die über die Leistung des Hufschmiedes entsetzt war (was wir mit unserem nicht vorhandenen Wissen nicht nachvollziehen konnten). Sie erklärte uns alles zum Thema Hufe: der Aufbau des Hufes, die Folgen zu langer Hufe, was sie wo genau macht und wie wir das bei unserer Stute selbst machen können.

Uns wurde schnell klar: Nicht alle Experten sind wirklich Experten. Viele Meinungen und Vorgänge sind überliefert und werden nicht mehr infrage gestellt. Bestes Beispiel: das Pferd von links führen und von links aufsitzen. Überliefert aus der Kavallerie, als die Reiter einen Dolch trugen, der nicht stören durfte.

Diese Erfahrung machen viele Pferdebesitzer und lernen, um ihrem Pferd selbst helfen zu können. So entwickelst du Wissen zum Thema Fütterung, Sätteln, Hufen, Jungpferdeausbildung,.. .

Du brauchst mehr Zeit, als du denkst – viel mehr Zeit (und mehr Geld für schönes Zubehör)

Reitsport ist zeitintensiv, mit eigenem Pferd bist du schnell öfter als drei oder vier Mal im Stall. Wer an bis zu sieben Tagen im Stall ist, braucht genügend Zeit und ein verständnisvolles Umfeld.

Diesen Punkt wirst du dir noch am ehesten denken können, bevor du dir ein Pferd kaufst. Die Zeit wird sowieso sehr gerne im Stall verbracht, die meisten deiner Freunde und Familie haben das Hobby bereits akzeptiert.

Mehr Zeit ist jetzt auch nötig für Aufgaben wie:

  • Tierarztbesuche (auch ungeplante mit sediertem Pferd, das noch länger als zwei Stunden beaufsichtigt werden muss)
  • Hufschmiedbesuche (fehlt ein Eisen, muss dich der Schmied ohne Termin dazwischenschieben – heute leider erst nach 20 Uhr)
  • Medikamente geben (das in zerdrückte Banane gemogelte Medikament bekommst nur du ins Pferd, der Stallbesitzer ist machtlos – bitte zwei Mal täglich)
  • Puschel hat dein Pferd auf der Weide getreten, du musst Schritt führen (30 Minuten mindestens auf hartem Boden, gerne zwei Mal täglich)

Ein passender Sattel ist eine (un)lösbare Aufgabe

Sattel drauf und fertig, das Leben war so einfach, als man noch kein eigenes Pferd hatte. Irgendwie passte der Sattel da schon, jetzt bemerkst du sofort, wenn der Sattel dem Pferd drückt:

  • Dein Pferd lässt sich nicht mehr geschmeidig an den Zügel stellen.
  • Plötzlich versucht es dich, beim Satteln zu beißen.
  • Die Sattellage sieht merkwürdig eingedrückt aus (Fachsprache: der Trapezmuskel ist atrophiert).
  • Es bilden sich weiße Haare auf dem Widerrist.

Ähnlich wie beim Thema Hufe merkst du bei einem eigenen Pferd, dass dein Pferd Probleme mit seinem Sattel hat. Neben einem guten Hufschmied brauchst du daher einen noch besseren Sattler.

Je mehr du über Sättel, Sattelpassform und Sattelzwang verstehst, desto mehr kannst du deinem Pferd helfen. Ein passender Sattel ist essenziell für ein glückliches und zufriedenes Pferd.

Ähnlich wie bei Hufschmieden gibt es bei Sattlern auch viele, die ihr Geld leider nicht wert sind. Zum Glück gibt es aber auch viele, die dich bei der Sattelsuche unterstützen und deinen Sattel anpassen, bis er wirklich passt.

Eine Webseite rund um das Thema Sättel mit sehr viel Wissen und Infos zur Sattelpassform ist dein-sattelfinder.de.

Ein passender Stall für dich und dein Pferd

Pferdebesitzer lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Die, die den perfekten Stall gefunden haben und die, die ihn noch suchen.

Wir waren bereits in vier verschiedenen Ställen und sind aus den folgenden Gründen gewechselt:

  • Die Haltungsbedingungen
  • Fütterung der Pferde
  • Die Stallgemeinschaft
  • Trainingsmöglichkeiten

Zwei Bereiche gibt es, die stimmen müssen. Zum einen ist es die Haltung deines Pferdes. Lebt es artgerecht, geht es ihm im Stall gut, hat es eine gute Herdengemeinschaft und Anschluss gefunden. Ist die Fütterung passend, hat dein Pferd gesundheitliche Beeinträchtigungen, auf die eingegangen wird?

Nach deinem Pferd hast du Anforderungen an den Stall, die du für die Erfüllung deiner Bedürfnisse brauchst. Wer Freizeitreiter ist, fühlt sich in einem Turnierstall mit täglich trainierenden Warmblütern in Traversale womöglich nicht wohl. Auf einem Warmblut zwischen gemütlichen Fjordpferden auf einem Pferdespielplatz kannst du dir auch fehl am Platze vorkommen.

Diese beiden Seiten der Stallsuche solltest du für dich genau abwägen und eine Lösung finden, die deinem Pferd und dir passt.

Bevor du dir ein Pferd kaufst

Auf unserer Pferdeseite gibt es viele Infos zum Thema eigenes Pferd. Sieh dich in unserer Kategorie Pferdekauf um, wenn du noch mehr Infos haben möchtest.