Pferdewissen für Anfänger – Teil 2: Reitweisen und Umgang mit dem Pferd

In unserem ersten Teil Pferdewissen für Anfänger haben wir dir das Grundlagenwissen Pferd zusammengefasst. Du weißt jetzt wie Pferde leben, wie artgerechte Pferdehaltung aussieht, einiges über Warm-, Kalt- und Vollblut und zum Schluss noch die Frage beantwortet, wie du zum Pferd kommst.

Im zweiten Teil Pferdewissen für Anfänger geht es jetzt endlich zu deinem Pferd!

Wir zeigen dir welche Ausrüstung du und dein Pferd brauchen. Viele Begriffe hast du bestimmt schon mal gehört, aber kannst sie nach unserem Anfänger-Guide endlich zuordnen!

Es geht um den richtigen Umgang mit dem Pferd: aus der Box, von der Weide und über den Hof. Wie Reitunterricht abläuft, woran du eine gute Reitschule erkennst und wie du deinen perfekten Reiterhof findest.

Lerne alles über die verschiedenen Reitweisen, Gangarten und die Hilfengebung im Sattel. Zum Abschluss gibt es viel Wissenswertes über die Turnierszene und über eine gute Pferd-Mensch-Beziehung.

Reitschule, Unterricht & Reiterhof: wie du die richtigen erkennst

Wie in der Schule, im Beruf und auch in der Freizeit, kommt es auf die richtigen Leute an. Wer einen grießgrämigen Reitlehrer erwischt oder von Anfang an falsche Erziehungsmethoden vorgelebt bekommt, der wird ganz anders in den Reitsport einsteigen.

Darum wollen wir dir Tipps geben, wie du eine gute Reitschule erkennst. Leider gibt es immer noch sehr viele schlechte Reitschulen mit langweiligem Reitunterricht und schlechter Pferdehaltung da draußen.

Natürlich gibt es auch vorbildliche Schulbetriebe und Reitlehrer – genau diese kannst du ab jetzt erkennen!

Was einen guten Reitlehrer und guten Reitunterricht ausmacht

Unsere Anfänge waren in genau so einer schlechten Reitschule, wie wir dir gleich erzählen wollen. Im Rückblick sollte man viel schneller wechseln und schlechten und langweiligen Reitunterricht nicht in Kauf nehmen. Auch Boxenhaltung ohne Weidegang würden wir nicht mehr unterstützen – was man durch die Beiträge zur Reitschule jedoch tut.

Wie Reitunterricht in der Gruppe und alleine nicht ablaufen sollte:

  • Wenn der Reitlehrer deinen Namen nicht kennt und nur dein Pferd anspricht. Das bedeutet auch, dass dein reiterliches Können nicht gefördert werden kann, da du nur einer unter Hunderten bist.
  • Monotone Anweisungen: ein andauerndes „Hacken runter, Hände hinstellen“ hilft dir als Anfänger nicht weiter, wenn du noch nicht weißt, wie du die Balance findest.
  • Stundenlanges Zirkelreiten: Wenn du immer nur im Kreis reiten sollst, bringt das dich und dein Pferd nicht weiter. Nicht umsonst gibt es verschiedenste Bahnfiguren, die Biegung und Stellung trainieren und dir helfen, präzise zu lenken.
  • Aggressive Anweisungen bis hin zu Gewalt gegenüber Pferden: leider immer noch Alltag in vielen Reitschulen. Wenn Pferde ständig mit Sporen und Gerte malträtiert werden sollen, solltest du lieber das Weite suchen.
  • Stumpfes Hinterherreiten: kommt gerne in Reitschulen vor, bei denen die Schulpferde nur noch hintereinander herlaufen. Als Reiter hast du da keine Chance – der Reitschulbetrieb sollte jede Reitstunde die „Abteilung auflösen“, damit du eigenständig Bahnfiguren reiten kannst.

Wenn wir dir eines mit auf den Weg geben wollen: es gibt sie, die richtige Reitschule.

Auch ein Turnierbesuch kann in einer Reitschule möglich werden.

Einige Merkmale, die du bei einem Besuch feststellen kannst, sind bei einer guten Reitschule oder einem guten Reitlehrer:

  • Der Reitlehrer nimmt sich für jeden Reitschüler alleine Zeit. Wenn mehrere Pferde in der Bahn sind, ist jeder für einige Zeit alleine dran und bekommt Verbesserungsvorschläge und Tipps, die zu Pferd und Reiter passen.
  • Die Reitstunde ist unterteilt in eine ausreichend lange Aufwärmphase, eine Lösungsphase mit Leichttraben, eine Arbeitsphase und eine ausreichend lange Schrittphase nach der Reitstunde.
  • Es wird auf die Reitschüler eingegangen: wer Probleme beim Leichttraben hat, bekommt genau dafür Tipps. Ängstlichere Reiter reiten auf den ruhigen und erfahrenen Pferden.
  • Der Reitlehrer unterrichtet nicht zu viele Reitschüler auf einmal. Reitet eine Gruppe, sind höchstens vier oder fünf Reiter gemeinsam in der Bahn. Eine Abteilung mit acht, zehn oder sogar mehr Pferden wirst du hier nicht zu sehen bekommen.
  • Konsequenz und Ruhe statt Aggression und Gewalt: sollte ein Pferd sich wiedersetzen, wird das Problem bei einer guten Reitschule ganzheitlich angegangen. Konsequentes, ruhiges Handeln wird dir empfohlen, gesundheitliche Beeinträchigungen des Pferdes zusätzlich überprüft und bewertet.

Dies sind die ‚weichen Faktoren‘, die guten Unterricht ausmachen. Daneben gibt es einiges zu beachten, was eine gute Reitschule noch ausmacht und was ebenfalls sehr wichtig ist.

Wer Reitunterricht in einer Reitschule nimmt, unterstützt die dort geführte Haltung, Pflege und den Umgang mit den Tieren. Frage dich immer, ob du diese Punkte in der gelebten Form unterstützen willst.

Ein paar Fragen, die dir zusätzlich bei der Auswahl der Reitschule helfen können:

  • Besitzt jedes Pferd eigenes Putzzeug und eigene Ausrüstung? Wenn Sättel auf mehreren Pferden genutzt werden, ist dies meist kein gutes Zeichen und passen werden diese Sättel den meisten Pferden auch nicht. Druck- und Scheuerstellen beim Reiten können so entstehen.
  • Werden die Pferde artgerecht gehalten? Gibt es regelmäßigen Weidegang? Wie verbringen die Pferde ihren Tag, wenn kein Reitunterricht stattfindet?
  • Sehen die Pferde gepflegt aus? Kommt der Hufschmied regelmäßig? Sind die Boxen gut und frisch gemistet oder riecht es schon in der Stallgasse unangenehm?

Orientierst du dich an diesen Hinweisen, kannst du meist sehr schnell herausfinden, ob die Reitschule geeignet ist.

Solltest du bereits in einer Reitschule oder auf einem Reiterhof sein und bist nicht zufrieden, dann hilft dir unser Leitfaden vielleicht weiter: Wann den Stall wechseln?

Reitweisen: Englisch, Western und andere

Wer Pferde reitet ist zumeist in einer der beiden großen Reitweisen unterwegs. Das sind die englische Reitweise und das Westernreiten. Beide unterscheiden sich hinsichtlich Hilfengebung, Ausrüstung, Ursprung und auch dem Aussehen.

Wir sehen heute auf Turnieren viel öfter Reiter der englischen Reitweise, als Westernreiter. Diese sind in Amerika, wo die Westernreiterei entstanden ist, sehr viel populärer und verbreiteter.

Die Westernreiterei wird auch bei uns in Deutschland immer beliebter.

Beide Varianten sind interessant und gehören auf jeden Fall zum Pferdewissen für Anfänger dazu. Reitest du in einer Reitschule, wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit englisch reiten.

Englischreiten: Dressur, Springen und Vielseitigkeit

Die englische Reitweise hat eigentlich nichts mit England zu tun, diese Reitweise ist vielmehr in Europa beheimatet und in Deutschland aber auch in anderen Ländern entstanden und geprägt worden. Seine Ursprünge nimmt diese Reitweise in der Kavallerie.

Unterteilt wird das Englischreiten in drei verschiedene Disziplinen, in denen Turnierprüfungen abgenommen werden: Dressur, Springen und Vielseitigkeit.

Übergeordnet vertritt in Deutschland die Deutsche Reiterliche Vereinigung (auch FN genannt) die englischen Reiter und prüft diese auf Turnieren. Über die FN kannst du verschiedene Abzeichen erwerben, die dein reiterliches Können einstufen.

Dressurreiten bildet die Grundlage der englischen Reiterei. Ziel ist es, dass Pferd für die Anforderungen des Reitens zu gymnastizieren, die richtigen Muskeln aufzubauen und so seine Gesundheit zu fördern.

Anhand der Skala der Ausbildung soll das Pferd nacheinander die richtigen Schritte in seiner Ausbildung machen.

Die Skala der Ausbildung gliedert sich in Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichten und Versammlung. Anhand dieser Skala werden Pferde in der Dressurreiterei ausgebildet. Das Jungpferd sollte zunächst taktklar unter dem Reiter laufen, um Losgelassenheit zu entwickeln. Erst danach folgt die Anlehnung: dies bedeutet, dass dein Pferd an den Zügel herantritt und seinen Rücken aufwölbt. So kann das Reitergewicht optimal getragen werden.

Für die Dressurreiterei gibt es einen eigenen Sattel: den Dressursattel. Dieser ermöglicht einen aufrechten Sitz mit gestrecktem Bein. Feine und punktgenaue Hilfen werden so ermöglicht.

Der Dressursattel ist auch unter einem Sattelschoner noch gut zu erkennen. Besonders ist das lange, gerade geschnittene Blatt.

Mithilfe von verschiedenen Dressurübungen wird das Pferd gymnastiziert. Die Schwierigkeitsstufen richten sich dabei nach der Skala der Ausbildung.

Die Springreiterei ist fast schon selbsterklärend: Pferd und Reiter überwinden gemeinsam verschieden hohe Hindernisse. Die Hindernisse sind auf dem Platz oder in der Reithalle verteilt: wer vom ‚Parcours springen‘ spricht, überwindet Hindernisse in einer bestimmten Reihenfolge.

Springen kann das Pferd gymnastizieren: viele Dressurreiter springen kleine Hindernisse oder lassen ihr Pferd über Trabstangen laufen.

Verwandt mit der Springreiterei ist die Vielseitigkeit. Hierbei werden Hindernisse im Gelände überwunden. Anders als beim Springreiten sind dies feste Hindernisse, zum Beispiel Baumstämme oder Gräben. In der Vielseitigkeitsreiterei wird zwischen den Hindernissen eine längere Strecke zurückgelegt.

Die Vielseitigkeitsreiterei setzt sich zusätzlich aus der Kombination von Dressur- und Springreiterei zusammen. Zusätzlich dazu wird eine Geländestrecke geritten. Alle drei Disziplinen werden dann zusammen als Turnier gewertet.

Westernreiten: mehr als nur Cowboy

Wie wir schon geschrieben haben, ist die englische Reitweise in Europa beheimatet. In Amerika entwickelte sich auf der Arbeit der Farmer mit ihren Rindern die Westernreiterei.

Die Disziplinen der Westernreiterei stammen aus der Rinderarbeit: eine Disziplin ist der Trail. Dabei sind Aufgaben wie das Öffnen und Schließen von Toren oder das Überwinden von Brücken oder Ästen zu meistern, die an die tägliche Arbeit der Cowboys erinnern.

Das Cutting stammt ebenfalls aus der Arbeit mit den Rindern: hierbei muss ein Rind von der Herde getrennt werden. Reiterhilfen dürfen dabei nicht gegeben werden. Das Pferd sollte von alleine erkennen, wie die Rinder zu hüten sind. Beim Working Cowhorse wird neben einer der Dressur ähnlichen Aufgabe ein Rind daran gehindert, zu seiner Herde zurückzulaufen.

Die berühmten sliding stops stammen aus der Disziplin Reining. Dies ist wie die Dressurreiterei mit verschiedenen Übungen zu absolvieren. Beim ‚Rollback‘ dreht sich das Pferd beispielsweise schnell auf der Hinterhand.

Westernpferde sollen möglichst feinfühlig auf die Hilfen ihres Reiters reagieren. Die Zügel sind nicht kurz, wie in der englischen Reitweise, sondern lang. Dabei soll das Pferd natürlich auch nicht den Kopf hochreißen, sondern durchlässig und entspannt unter dem Reiter sein. Auch die Beine des Reiters sind nicht nah am Pferdekörper, sondern geben nur impulsartige Hilfen.

Nicht nur die Ausrüstung eines Westernpferdes ist anders, als in der englischen Reitweise.

Besonders auffällig ist die besondere Ausrüstung im Westernsport. Spezielle Westernsättel sind auf die Bedürfnisse der Disziplin zugeschnitten: so hat der Sattel ein Horn, an dem das Rope (=Seil) befestigt werden kann.

Statt einer englischen Trense verwenden Westernreiter hauptsächlich Kandaren, also schärfere Zäumungen oder auch gebisslose Zäumungen, wie etwas das Bosal. Dies wirkt über den Nasenrücken des Pferdes ein.

Besonders schöne Ausrüstung für Westernreiter gibt es hier bei Betterwesternwear.de*!

Westernreiter tragen ebenfalls andere Kleidung als englische Reiter. Cowboystiefel und Freizeitlook sind im Westernsattel kein Problem.

Solltest du in die Westernreiterei einsteigen wollen, kannst du auch bei uns dieser Reitweise nachgehen. Einige Höfe, die Westernreiten anbieten, sind auch überall bei uns verteilt.

Die Ausrüstung fürs Pferd: Sattel und Trense

Wie du bereits gemerkt hast, unterscheidet sich die Ausrüstung je nach gewählter Reitweise. Englisch und Western haben verschiedene Ausrüstungen und wir gehen hier auf die englische Reitweise ein.

Zum Reiten werden Sattel und Trense für dein Pferd benötigt.

Der Sattel ist dabei einer der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände. Die Passform muss von einem Sattler angepasst werden und regelmäßig überprüft werden. Ein unpassender Sattel kann zu großen Problemen führen, die sich auf die Gesundheit deines Pferdes auswirken können.

Satteldruck ist beispielsweise an weißen Haaren auf der Sattellage zu erkennen. Viele Pferde mit großem Widerrist haben weiße Stichelhaare auf dem Widerrist durch zu großen Druck des Sattels auf dieser Stelle.

Ein passender Sattel liegt gleichmäßig auf und kippelt nicht. Er bietet der Wirbelsäule und dem Widerrist des Pferdes genügend Freiraum und drückt nicht.

Neben dem Sattel benötigt dein Pferd zum Reiten eine Trense sowie das Gebiss.

Die Trense ist, im Gegensatz zum Sattel, verstellbar. An der Trense wird das Gebiss befestigt. Deine Zügel verbinden das Gebiss mit deiner Reiterhand, um dem Pferd die Hilfen zu übertragen.

Eine Trense ist verstellbar, das Gebiss hingegen muss passen. Hier siehst du eine einfach gebrochene Wassertrense bei Dubi.

Ein Gebiss muss gut angepasst werden: es gibt viele verschiedene Größen zu kaufen. Ebenfalls ist ein Gebiss in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Der grundlegendste Unterschied besteht in den einfach und doppelt gebrochenen Gebissen. Einfach gebrochene Gebisse haben nur eine Verbindung in der Mitte und bestehen damit aus zwei Schenkeln. Doppelt gebrochene Gebisse haben zwei Schenkel und sind in der Mitte durch ein Mittelstück verbunden.

Neben der traditionellen Trense gibt es auch in der englischen Reitweise verschiedenste alternative Formen. Auch gebisslose Trensen sind bereits weit verbreitet.

Die Ausrüstung für den Reiter

Der wichtigste Ausrüstungsgegenstand für Reiter ist ganz klar der Reithelm. Nur mit einem sicheren Helm auf dem Kopf sollte geritten werden: am Reithelm zu sparen, wäre daher absolut falsch.

Als Reiter benötigst du außerdem:

  • Reithose: diese verhindert Scheuerstellen und gibt genügend Halt auf dem Sattel. Die Hose sollte so eng anliegen, dass sie keine Falten wirft und du gut in die Reitstiefel hineinkommst. Unser Insidertipp: Reithosen gibt es mit verschiedenem Besatz von Gripp über Leder bis hin zu ultra-bequemen Reitleggins, so wie dieses Modell* bei horse-and-rider.de. Ein tolles Beispiel für eine Reithose mit Vollbesatzgrip ist diese Reithose von USG*.
  • Reitstiefel*: Wichtig ist festes Schuhwerk, damit du von deinem Pferd nicht verletzt werden kannst, wenn es dir aus Versehen auf den Fuß tritt. Mit offenen Schuhen in den Stall ist daher keine gute Idee! Reitstiefel benötigen immer einen kleinen Absatz, damit du nicht durch den Bügel rutschen kannst. Alternative zu Reitstiefeln wären Reitstiefeletten mit Chaps.
  • Reithandschuhe*: Sie helfen dir, die Zügel und den Führstrick gut und sicher halten zu können.
  • Sicherheitsweste: Für Anfänger und Reiter von unerfahrenen oder schwierigen Pferden ist eine Sicherheitsweste empfehlenswert. Ebenfalls beim Springen kann die Weste helfen, schlimmeres zu verhindern. Auch Rückenprotektoren kannst du heute schon kaufen.

Wie in Teil eins des Pferdewissen für Anfänger schon geschrieben, gibt es ein paar Gegenstände, die du nicht unbedingt benötigst, aber kaufen kannst, wenn du möchtest.

Dazu zählen Ausrüstungsgegenstände für Pferde in Reitschulen oder deine Reitbeteiligung: Satteldecken, Abschwitzdecken und sonstiges Zubehör. Ebenfalls Putzzeug, Bürsten oder ein Putzkasten sind kein Muss aber können von dir gekauft werden, wenn du das möchtest.

Wir haben die besten Tipps und Empfehlungen zur Ausrüstung für Anfänger in diesem Artikel zusammengestellt.

Jetzt weißt du alles, was du und das Pferd an Ausrüstung benötigen und wir können endlich zum Pferd und alles zum Umgang lernen!

Der Umgang mit deinem Pferd

Dein Pferd aufhalftern und führen

Das Halfter ist dazu da, dein Pferd kontrollieren zu können, falls es doch einmal weglaufen oder in eine andere Richtung gehen möchte. Damit du dies kannst, musst du es zunächst aufhalftern.

Zum Führen benötigst du Halfter und Strick. Welches Halfter genau, ist zu Anfang erst einmal egal. Du kannst das normale Stallhalfter deines Pferdes nehmen.

Zum Führen nimmst du den Führstrick ungefähr ein bis zwei handbreit unter dem Karabiner mit der rechten Hand. Fass nur den Strick mit der Hand an, wickle ihn dir nicht um die Hand!

Die linke Hand hält das Ende des Führstricks. So ist immer gewährleistet, dass du dein Pferd halten kannst, wenn es einen Satz zur Seite macht und du den Strick in der rechten Hand loslassen musst.

Hast du dies alles geschafft, kannst du dein Pferd aus der Box / von der Weide führen. Meistens geht es jetzt erstmal zum Putzplatz.

Beim Führen gehst du auf Schulterhöhe deines Pferdes.

Möchte dein Pferd abwenden, kannst du mit dem Führstrick auf dich aufmerksam machen und seinen Kopf wieder in deine Richtung bewegen.

Zum Anhalten hilft meist ein Stimmkommando wie „Brrr“ oder „Hooo“ sowie leichter Zug am Führstrick. Viele Pferde halten meist dann schon an, wenn du stehen bleibst. Dies solltest du mit deinem Pferd zu Beginn ausprobieren.

Thema Sicherheit: was du nicht machen solltest

Pferde sind und bleiben Fluchttiere, die immer unberechenbar sein können. Durch eine gute Mensch-Pferd-Beziehung folgt dein Pferd und vertraut dir, dies ist ein Sicherheitsaspekt. Trotzdem können immer unvorhergesehene Umstände auftreten, die du im Vorwege richtig angehen musst.

Zu deiner Sicherheit ist beim Umgang mit dem Pferd folgendes zu beachten:

  • Immer mit Reitkappe reiten. Auch bei kurzen Ritten und auch bei einer gemütlichen Runde ins Gelände. Stürze vom Pferd verlaufen meist harmlos, wenn man eine Kappe auf hat. Ein unglücklicher Sturz gegen die Bande in der Reithalle oder auf Asphaltboden haben ohne Helm böse Folgen.
  • Niemals direkt hinter einem Pferd entlang gehen. Pferde sehen dich nicht oder zu spät und treten aus. Ein Pferdehuf hat sehr viel Kraft und kann falsch getroffen zu bösen Folgen führen. Diesen Satz hört man sehr oft und viele Reiter vernachlässigen diesen irgendwann – 1000 Mal ist nichts passiert, dann erwischt dich doch ein Pferdehuf.
  • Beim Führen den Strick nicht um die Hand wickeln. Den Strick nur durch die Hand ziehen, aber nicht umwickeln. Reißt sich dein Pferd los, wirst du mitgeschliffen – ebenfalls sehr gefährlich. Lies dir dazu nochmal die Tipps zum richtigen Führen oben durch.
  • Mit offenen Schuhen in den Stall oder auf die Weide? Ein Pferd wiegt gut und gerne mehr als 500 kg. Ein Huf auf dem Fuß in Sandalen führt schnell zu Quetschungen und sogar Knochenbrüchen. Geschlossene Schuhe schützen dich und geben besseren Halt – auch in brenzligen Situationen, wenn du einen festen Stand brauchst.
  • Sein Können nicht überschätzen. Schätze dich und deine Fähigkeiten realistisch ein. Hole dir Rat von erfahrenen Reitern und begib dich mit deinem Pferd nicht in Situationen, die du nicht mehr händeln kannst.

Pferde richtig putzen

Kommt dein Pferd aus der Box oder von der Weide, kann es sein, dass sein Fell verschmutzt ist und du es putzen musst, bevor du aufsatteln oder auftrensen kannst.

Beim Putzen benötigst du verschiedene Bürsten, um dein Pferd gründlich putzen zu können. Diese Bürsten befinden sich im Putzkasten, der meist in der Sattelkammer bei Sattel und Trense steht.

Möchtest du Putzzeug für dein Pferd kaufen, kannst du dir eine günstiges Putzboxenset holen. In dieser werden alle benötigten Bürsten angeboten und du bekommst die Putzbox mit dazu – so musst du nicht jede Bürste einzeln kaufen! Sieh dir ein tolles Putzboxset mal bei Horze.de mit insgesamt 10 Teilen* an.

Die Reihenfolge beim Putzen läuft meist nach dem gleichen Schema ab:

  • Hufe kratzen: mit dem Hufkratzer entfernt man Pferdeäpfel und Sand aus den Strahfurchen. Mit Hilfe der Bürste des Hufkratzers säuberst du den Huf und den Strahl von Dreck. Achte besonders auf kleine Steinchen, die sich dein Pferd eingetreten haben könnte. Entferne diese auch. Lies hier alles über den Termin beim Hufschmied nach.
  • Decke abnehmen: Im Winter trägt dein Pferd vielleicht eine Decke. Diese musst du vor dem Putzen abnehmen. Löse dazu die Gurte unter dem Bauch und an den Hinterbeinen, wenn es dort welche gibt, und öffne vor der Schulter die Deckenhaken. Häng die Decke während du putzt und reitest auf.
  • Striegeln: Mit dem Striegel, der mit kleinen Noppen besetzt ist, raust du das Fell deines Pferdes auf, um den groben Schmutz besser entfernen zu können. Beginne am Hals und striegele kreisförmig den ganzen Körper ab. Lass die Beine, die Wirbelsäule und den Widerrist aus. Danach kannst du die andere Seite striegeln.
  • Kardätsche: Diese Bürste ist eine mittelweiche Bürste, die das Fell wieder glättet und gleichzeitig den durch das Striegeln aufgetretenen Schmutz entfernt. Säubere die Kardätsche durch ein Abziehen am Striegel.
  • Wurzelbürste: Mit dieser groben Bürste entfernst du den Schmutz an den Beinen.
  • Weiche Kopfbürste: Für die empfindliche Partie im Gesicht deines Pferdes solltest du eine besonders weiche Bürste verwenden.
  • Mähnenkamm: Die Mähne wird mit einer speziellen Bürste entwirrt oder übergestrichen.

Typische Fehler beim Putzen sind vergessene Körperstellen an deinem Pferd.

Besonders wichtig ist es, die Sattellage wirklich gründlich zu reinigen. Gerade kleine Sandkörner führen sonst schnell zu Scheuerstellen. Auch die Gurtlage unter dem Bauch solltest du intensiv säubern.

Einige Pferde stehen beim Putzen einfach nicht still. Viele Pferde bekommen am Putzplatz auch ihr Futter und fangen daher schnell das Betteln an. Wenn dein Pferd auch zu diesen Kandidaten gehört, sieh dir diesen Artikel an: Mein Pferd bettelt beim Putzen – mit diesen 6 Tipps steht dein Pferd!

Sattelfest werden

Schon sind wir am Ende des zweiten Teils Pferdewissen für Anfänger angelangt. Die große Frage bleibt: wann bist du endlich sattelfest? Wie lange dauert es wirklich und wie viele Reitstunden muss man dafür nehmen?

Um sattelfest zu werden ist zum einen ein ausbalancierter Sitz und zum anderen Erfahrung nötig. Je mehr Pferde und Situationen du erlebt hast, desto besser kannst du kommende Erlebnisse händeln.

Aus unserer Erfahrung dauert es ungefähr ein ganzes Jahr, bis man selbst das Gefühl hat, reiten zu können. Nach diesen vielen Reitstunden kam bei uns erst der Gedanke: wir bestimmen, was das Pferd macht und nicht andersherum. Du wirst vom Mitreiter zum Lenker und fängst an dein Pferd immer besser lesen zu können.

Das Lernen hört auch im Reitsport nie auf, immer dann, wenn man meint, man wüsste alles: kommt ein Pferd vorbei, dass so anders ist, als alles anderen.

Pferdewissen für Anfänger Teil 3 – Rauf auf’s Pferd

Unser Guide ist so groß geworden, dass wir doch drei Teile daraus machen mussten. Deshalb widmen wir dem Reiten einen ganz eigenen Teil. In Teil drei geht es um das Glück im Sattel: Die Hilfengebung, wie man hoch und wieder runter kommt, Hufschlagfiguren und Bahnregeln, Turniere, Reitklassen und die wichtigste Säule zwischen Pferd und Reiter: die richtige Beziehung. Stichwort Bodenarbeit und Zirkuslektionen.

Die besten Bücher & E-Books für noch mehr Grundlagenwissen rund ums Thema Reiten und Pferde sind zum Beispiel diese Exemplare, die du alle bei Thalia erhalten kannst:

Hier geht’s zu Teil 3: Rauf auf’s Pferd!

Oder lieber zurück zu Teil 1: Pferdewissen – dein ultimativer Guide zum Starten!