Zweites Pferd – ja oder nein

Dein erstes Pferd ist dein absolutes Wunschpferd gewesen. Oh Moment, gewesen, weil du denkst über ein neues Pferd, das „Zweitpferd“ nach. Das können so viele mögliche Gründe sein, warum du dich nach einem weiteren Pferd sehnst.

Zu dem ganzen Grübeln weißt du noch nicht so richtig, wie es wirklich ist, zwei Pferde zu haben und obendrauf sieht die Wunschvorstellung so richtig rosa aus, ganz anders, als es in der Realität später wäre.

Bevor wir mit den Vor- und Nachteile beginnen, die ein zweites Pferd so mit sich bringt, ein ganz wichtiger Punkt vorab: Lass dich nicht beim Pferdekauf über den Tisch ziehen und nehme kein vermeintliches super junges, gesundes 500€ Pferd mit nach Hause!

Vorteile eines zweiten Pferdes

Du hast bereits ein Pferd und kannst sicherlich sofort die ganzen schönen Vorteile aufzählen, die so ein zweites Pferd mit sich bringt. Du malst dir eure Ausritte mit Handpferd aus und wie deine beiden sich anfreunden und durch dich und dünn gehen.

Ein zweites Pferd kann positive Aspekte mit sich bringen:

  • Unterschiedliche Charaktere – diese können sich ergänzen oder ähnlich sein. Vielleicht können die beiden sogar von einander lernen?
  • Aufstieg im Turnierbereich – bei deinem ersten Pferd hast du gemerkt, was dir im Reitsport wichtig ist. Vielleicht eine Weiterentwicklung deiner reiterlichen Fähigkeiten.
  • Ein bester Kumpel für das erste Pferd – dies wäre natürlich die Idealvorstellung, wenn deine beiden Pferde sich gut verstehen.
  • Ersetzt das ältere Pferd später – hast du einen Senior, der sich einen ruhigen Lebensabend verdient hat, kannst du mit einem zweiten Pferd weiterhin aktiv am Reitsport teilnehmen.

Okay, diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Einige der Argumente bestehen vor allem aus deiner Reitersicht aus. Viele kaufen sich vor allem wegen der Ausbildung des Pferdes ein zweites dazu, da das eigene Pferd an seine Grenze gerät.

Nachteile eines zweiten Pferdes

Zwei Pferde sind doppelt Freude und doppelt Arbeit. Wie immer gibt es zwei Seiten der Medaille.

Daher wollen wir dir die Nachteile eines zweiten Pferdes ganz objektiv schildern, denn wir haben sogar drei Pferde. Damit kennen wir die Probleme und Stolperfallen, die du mit mehr Pferden haben kannst.

Nachteile könnten sein:

  • Zeitintensiver – natürlich benötigst du für zwei Pferde mehr Zeit, als nur für eines. Zwei Pferde möchten bewegt, ausgebildet und umtüddelt werden.
  • Kostenintensiver – Boxenmiete muss zweimal gezahlt werden, auch Ausrüstungsgegenstände kannst du oft nicht für beide deiner Pferde verwenden. Zusätzlich steigt die Wahrscheinlichkeit, dass du ein krankes Pferd hast. Und wenn es nur ein verlorenes Hufeisen ist.
  • Einer ist der Liebling – ohne etwas dafür zu können, könntest du eines deiner Pferde plötzlich bevorzugen.
  • Stallumzug – hier spielt auch der Faktor Kosten mit hinein. Wer mit zwei Pferden den Stall wechseln möchte, wird unflexibler. Zunächst musst du zwei Plätze finden und dann auch noch überlegen, ob dein Portmonee das mitmacht.

Hier können ganz viele weitere Punkte angeführt werden. Die größten Bereiche stellen aber die Zeit und das Geld.

Wir schauen uns jetzt die Vor- und Nachteile genauer an!

Vorteil: Unterschiedliche Charaktere

So wie wir Menschen, hat auch jedes Pferd eine Art an sich, die wir sehr mögen oder auch nicht.

Durch den Charakter gibt es bereits viele Bereiche, in denen das Pferd ausgeglichener oder schreckhafter reagiert. Im Umgang macht sich das ganz deutlich bemerkbar.

Wir haben Doonie, der ist ein kleiner Draufgänger, immer etwas stürmisch und prescht bei allen Aufgaben gleich voran. Das muss man mögen, denn er verhält sich auch so beim Reiten. Immer etwas mehr Go dabei, bietet von sich aus viel an und möchte gefallen.

Das Gegenteil sind zum Beispiel gemütliche Pferde, wie die Tinker. Hier steht die Verlässlichkeit im Vordergrund. Besonders ängstliche Reiter suchen sich gerne ruhige Vertreter aus. Daneben gibt es auch Mischtypen, die sich dazwischen befinden.

Und genau diese unterschiedlichen Charaktere sind super, vielleicht suchst du aber dein Pferd nochmal? Weil es so ein perfektes Wesen mitbringt, nur nicht Springen kann.

Von Vorteil ist daher die Vielfalt, die deine beiden Pferde dir mitbringen. Jedes Pferd hat seine Eigenheiten und Stärken, sodass nicht ein einziges Pferd alles für dich erfüllen muss.

Mit einem Pferd kannst du besser ausreiten, weil es so entspannt ist. Mit dem anderen bekommst du sehr gute Übergänge hin.

Vorteil zweites Pferd: Aufstieg im Turnierbereich kann schneller möglich werden

Und damit sind wir beim nächsten Vorteil.

Denn seien wir mal ehrlich, du schielst heimlich den Pferde-Reiter-Paaren hinterher, die mühelos eine Klasse über dir Schleifen abräumen und dein Pferd bringt dir nur Blumentöpfe mit nach Hause.

Verständlich, das sowas sehr frustrierend ist. Vor allem kann es dir dadurch auch passieren, das du dann lieber ganz mit dem Reiten aufhören willst? Auf keinen Fall! Denn das haben wir so erlebt und uns deswegen ein zweites Pferd gekauft.

Wer ehrlich zu seinem Pferd sein möchte, erkennt an, wenn hier Grenzen sind, die dein Pferd körperlich nicht leisten kann. Nicht alle Pferdetypen sind für Dressur, Springen oder Aufgaben der höheren Klassen geeignet.

Ein zweites Pferd kann dir diesen Traum jedoch erfüllen, wenn du diesen Wunsch hast.

Vorteil zweites Pferd: Ein möglicher Kumpel für dein erstes Pferd

Zusätzlich schwingt immer der Wunsch mit, dass sich deine beiden Pferde gut verstehen. Diesen Moment wirst du dir viele Male ausmalen, wenn sich die Zwei das erste Mal kennen lernen.

Aber vielleicht hat dein erstes Pferd auch schon einen allerbesten Freund? Oder sie sind sich völlig gleichgültig?

Das wird sich erst zeigen, wenn sie sich sehen. Und das lässt sich schwer beeinflussen.

Es sei denn, du nimmst dein erstes Pferd immer mit zu den Proberitten, zum Probe schnuppern.

Aber das ist bestimmt viel zu aufwändig. Damit bleibt dir nur, abzuwarten und zu hoffen, dass es passt.

Älteres und jüngeres Pferd

Dein Senior geht auf die 20 zu und soll keine Turnierkarriere mehr machen. Es stehen nur noch entspannte Sachen auf eurem Programm. Dir bereitet es aber mehr Freude mal wieder zu Springen, an hohen Lektionen der Dressur zu üben oder gar in den Busch zu ziehen?

Gerade im Hinblick auf die Gesundheit und auch Gesunderhaltung ist es pferdefreundlicher, ein junges Pferd zu kaufen, um mit diesem die Skala der Pferdeausbildung zu erklimmen.

Gerade der Organismus des alten Pferdes braucht eine ganz andere Versorgung, die mit einem jungen Pferd nicht vergleichbar ist.

Wenn du noch überlegst, ob es für dich sinnvoller ist ein junges Pferd zu deinem alten Pferd zu holen, haben wir diesen Artikel geschrieben.

Vielleicht wurde auch schon Arthrose oder Spat entdeckt, weswegen es sinnvoll ist, die Belastung herunterzufahren.

Nachteil von zwei Pferden ist der Faktor Zeit

Unser großer negativer Punkt ist die Zeit. Jeden Tag stehen uns 24 Stunden zur Verfügung. Davon schlafen wir idealerweise 8 Stunden. Dann haben wir noch 16 Stunden Zeit. Wenn wir Vollzeit arbeiten, bleiben jetzt noch 8 Stunden über. In diese Zeit ist alles gequetscht, von Besorgungen, Essen, im Auto von A nach B fahren, trödeln, …

Im besten Fall bleiben dir davon theoretisch 4-6 Stunden für die Freizeit. Theoretisch, denn wie wir das kennen, sind wir mit einem Pferd schon bis zu 3 Stunden am Tag beschäftigt.

Passt doch gut, denkst du dir jetzt, dann halbiere ich die Zeit und mache mit jedem Pferde einfach weniger. So kann es natürlich klappen

In der Realität sieht es dann eher so aus, das man doch beide Pferde betüddeln will und die Reitlehrerin gibt sowieso schon zwei Stunden nacheinander.

Du könntest jeden Tag deine Pferde abwechselnd bewegen, um beide gleichmäßig zu trainieren. Doch wir wissen aus Erfahrung, wenn dich deine Pferde mit treuem Hundeblick anvisieren, dann kippt man diese Vorsätze ganz schnell.

Nachteil bei zwei Pferde: Die Kosten steigen

Sicher hast du dir auch schon große Tabellen mit allen möglichen Kosten gemacht. Oder rechnest du überschlägig einfach „dein erstes Pferd x 2 = Kosten bleiben im Rahmen„?

Vorausgesetzt immer, dass kein Pferd krank wird. Sondern es muss nur der Hufschmied, wie gehabt, alle 6-8 Wochen kommen und den Tierarzt siehst du nur zum Impfen.

Reitunterricht nimmst du bestimmt wie bisher, mit jedem Pferd aber vielleicht in anderen Bereichen und auch öfter.

Zum Turnier brauchst du neben einem passenden Hänger auch ein passendes Auto. Ein vermutlich neues Auto.

Denn zwei Pferde wiegen ganz schön viel in einem Hänger – und da du diese nur bis zu einem gewissen Gewicht überhaupt ziehen kannst, stellt sich schnell eine Frage: Wie transportiere ich meine zwei Pferde?

Wir haben uns immer vorgenommen, dass wir keine Ausrüstungsfreaks werden, nur weil wir mehr als ein Pferd haben. Trotzdem stellt sich öfter die Frage, ob man nicht doch noch diese zweite Satteldecke kauft – denn sonst hat eines der Pferde weniger.

Nachteil bei zwei Pferden: Nur ein Pferd kann dein Liebling werden

Am Anfang bist du fest davon überzeugt, beiden Pferden gleich viel Liebe, Aufmerksamkeit, Arbeit und Zeit zu schenken. Schließlich soll sich keiner weniger geliebt fühlen.

Nachdem dein Neuzugang eingetroffen ist, entdeckst du so viele tolle Seiten an ihm, sodass du erstmal mehr Zeit mit deinem neuen Pferd verbringen wirst.

Um dein Gewissen zu beruhigen, fütterst du deinem ersten Pferd immer hochwertiges Müsli und bringst extra Äpfel mit. Ganz unbemerkt hat sich dein neues, zweites Pferd zu deinem Liebling gemausert.

Das ist auch in Ordnung so, schließlich soll der Umgang und das Reiten mit dem Pferd auch Freude machen.

Womit wir wieder bei einem Vorteil wären: jedes deiner Pferde hat seinen eigenen, besonderen Charakter. Jedes Pferd bietet dir andere Möglichkeiten!

Nachteil und Herausforderung: Stallwechsel mit zwei Pferden

Im Laufe eines Pferdelebens zieht ihr bestimmt einmal in einen neuen Stall um. Vielleicht, weil der Stall verkauft wird, die Boxenpreise erhöht werden oder der Service zum Nachteil umgeändert wird. Es gibt viele Möglichkeiten.

Jedenfalls steht dann erstmal die Boxensuche auf dem Plan. Zwei Boxen (nebeneinander) in einem Stall zu finden, ist gar nicht so einfach.

Und dann in deinem Traumstall, wo möglichst wenig Fluktuation herrscht. Oder du hast mittlerweile andere Ansprüche, weil du einen Senior und einen Junior hast.

Daher gestaltet sich ein Stallwechsel mit zwei Pferden als komplizierter, als wenn du nur ein Pferd hast, dass den Stall wechseln muss. Trotzdem kann man diesen Nachteil gut händeln.

Fazit – zweites Pferd: ja oder nein?

Ein zweites Pferd kann eine Bereicherung für dich da stellen.

Die Erwartungen an die Vorteile sind sehr groß, schließlich soll das neue Pferd etwas erfüllen, was dein erstes Pferd nicht hat oder kann.

Neben mehr Zeit und Geld ist es auch entscheidend, das du diese Entscheidung von ganzem Herzen möchtest. Ganz gleich wie du dich entscheidest, stehe dahinter und ziehe es durch!