Pferd nicht ausgelastet – Tipps für mehr Ruhe

Du möchtest nur in Ruhe Schritt reiten, spazieren gehen oder dein Pferd einfach vernünftig in der Reitstunde reiten. Doch dein Vierbeiner ist das reinste Energiebündel: es wird gerannt, durchgegangen und manchmal auch gebuckelt. Die Schlussfolgerung: das Pferd ist nicht ausgelastet. Wir kennen das nur zu gut und wollen dir neben den Ursachen mögliche Lösungen mit auf den Weg geben.

Pferde sind Bewegungstiere, zu wenig Weidezeit, gepaart mit Boxenhaltung und kurzen Ritten führt schnell zu unausgelasteten Pferden. Dein Pferd explodiert im schlimmsten Fall immer dann, wenn du ganz entspannt reiten willst. Überprüfe seine Haltung, die Fütterung und achte besonders im Winter darauf, genügend Auslauf anzubieten. Boxenhaltung ist nicht artgerecht und entspricht nicht dem Bewegungsdrang deines Pferdes. In Kombination mit zu gehaltvollem Futter staut sich bei deinem Pferd die Energie auf.

Grundlage: Der natürliche Bewegungsdrang von Pferden

In der Pferdehaltung hat sich in den letzten 20 Jahren zum Glück etwas getan: Aktiv- und Offenställe sind auf dem Vormarsch und viele Pferdebesitzer haben verstanden, dass die klassische Boxenhaltung nicht artgerecht ist. Leider gibt es immer noch die Mehrheit der Pferde, die genau so leben und daher zu wenig Bewegung bekommen (von den anderen Nachteilen ganz abgesehen).

Pferde sind mit ihrem ganzen Körperbau, der inneren Vorgänge und ihres Wohlbefindens darauf ausgelegt, den ganzen Tag über kleine Portionen Rohfasern im langsamen Vorwärtsgehen aufzunehmen.

Beobachtest du ein Pferd beim Grasen, fällt dir auf, dass es die ganze Zeit in Bewegung ist. Ständig setzt es ein Bein vor das andere und bewegt sich gleichmäßig fort.

Jeder langsame Schritt nach vorne ist Bewegung für dein Pferd. Beim Grasen kommen einige Kilometer zusammen – in Boxenhaltung fällt das komplett flach.

In dieser Haltung gehen Pferde in freier Wildbahn mehrere Kilometer, die sich mit Ruhepausen abwechseln.

Typisches Problem: Pferd im Winter nicht ausgelastet

Wo Pferde im Sommer noch auf saftigen Weiden ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben können, haben viele Ställe im Winter zur Schonung des Bodens nur noch stundenweise Paddockhaltung im Angebot. Das führt bei sehr vielen Pferden zu einem Ungleichgewicht: durch die Kälte werden die Pferde kerniger und möchten sich mehr bewegen. Durch die zusätzliche Bewegung erhöhen sie ihre Körpertemperatur wieder.

Gleichzeitig sinkt die tägliche Bewegung auf ein Minimum: viele Ställe bieten nur ungefähr zwei bis vier Stunden Paddockhaltung an, bevor es wieder in die Box geht. Ergebnis: ein im Winter unausgelastetes Pferd.

Dass dein Pferd daher im Winter „spinnt“ und sich immer mit dir zusammen richtig austoben möchte, ist kein Wunder bei dem knappen Bewegungsangebot.

Sollte dein Stall keine Winterweiden im Angebot haben, dann kannst du nach längeren Paddockzeiten fragen. Ob die Möglichkeit besteht, eine Winterweide für eine kleine Gruppe herzurichten kannst du auch gleich mit abfragen.

Für mehr Ideen zu mehr Bewegung, lies weiter unten bei Lösungsvorschlag 1: Bewegen, bewegen, bewegen weiter.

Typisches Problem Nr. 2: Junges Pferd nicht ausgelastet

Junge Pferde sind wie Kinder voller Energie. Sie müssen herumspringen, tollen und toben, damit die Gelenke, Bänder und Sehnen sich richtig entwickeln können. Dein Jungspund kann nichts dagegen tun – die Energie ist von ganz alleine da.

Jungpferde sollten in einer Herde mit Gleichaltrigen aufwachsen und sich frei bewegen können. Nur so bildet sich das Skelett richtig aus, es entstehen gesunde und widerstandsfähige Hufe und das Immunsystem kann im späteren Leben Krankheitserreger besser abwehren.

Unsere zwei Wallache liefen bis sie 3,5 und 2,5 Jahre alt waren, in einer Jungpferdeherde mit. Es wurde gerauft und gerannt: man selbst fragt sich, wo die ganze Energie herkommt. Nebenbei entwickeln die Jungpferde Muskeln, Ausdauer und Kondition.

Mit diesem Wissen, wird dir schnell klar, warum vor allem junge Pferde so oft nicht ausgelastet sind: sie werden zu früh in die Boxenhaltung übernommen.

Doonie ist jetzt 4,5 Jahre alt und flitzt immer noch mit seinen Kumpels durch den Offenstall. Sie galoppieren mehrere Runden und jagen sich, dann wird gewechselt und alles von vorne. In Boxenhaltung staut sich diese Energie auf: holst du dein Pferd aus der Box muss die Energie irgendwohin. Meist endet das in einem aufgeregten Pferd, das unterm Reiter und an der Hand „abspackt“.

Gleich kommen Lösungsvorschläge für die Bewegung deines Pferdes, diese kannst du auch mit jungen Pferden gut umsetzen. Natürlich nur dem Ausbildungsgrad entsprechend.

Lösungsvorschlag 1: Bewegen, bewegen, bewegen und die Haltung überprüfen

Die erste Reitbeteiligung, die wir hatten, hieß Mira. Ein sehr energiegeladenes, etwas zu dickes Pony, was in Boxenhaltung stand und brav Kinder durch die Gegend trug. Es war an der Tagesordnung, dass Mira beim Reiten regelmäßig durchging, unterm Sattel im Stechtrab herumrannte und im Winter sich die Lage soweit verschlimmerte, dass man nur mit Ablongieren überhaupt an reiten denken konnte.

Leider wurde dieses Verhalten als – die ist nun Mal so, das ist ihr Temperament oder die will dich nur verarschen – abgetan. Dabei war Mira das Paradebeispiel für Hunderte von Pferden, die zu wenig Bewegung bekommen und sich ihren Ausgleich selbst holen, sobald sie endlich ihre Box verlassen dürfen.

Dabei wäre die Lösung so einfach gewesen, leider ist keiner der Verantwortlichen auf diese gekommen: mehr Bewegung ermöglichen. Denn komischerweise trat das Problem immer nur dann auf, wenn es keine Weidezeiten gab (und die gab es damals nur wenige Wochen im Jahr für wenige Stunden).

Der erste Lösungsvorschlag ist daher mehr Bewegung. Du weißt das sicherlich schon und hast Gründe, warum mehr Bewegung nicht so einfach möglich ist. Hier sind Tipps, wie du mehr Bewegung in den Alltag deines Pferdes integrieren kannst:

  • Regelmäßige Weidegänge und im Winter mindestens Paddockgang
  • Ablongieren vor dem Reiten
  • tägliche Bewegung für mehrere Stunden – keine Steh- oder Pausentage!
  • Führanlage nutzen und das Pferd mehrmals täglich bewegen
  • Longieren vor dem Reiten oder zu einer anderen Tageszeit
  • lange Spaziergänge zusätzlich zum Reiten
  • Reitbeteiligung oder Bereiter, Reitlehrer etc. für zusätzliche Reitstunden
  • Mindestens eine Paddockbox als Zuhause für dein Pferd aussuchen (Innen- und Außenboxen sind wirklich überhaupt nicht artgerecht – es gibt so viele gute Alternativen)
  • In einen Offenstall, Laufstall oder Aktivstall umziehen
  • den Kopf fordern: Trail ausprobieren oder Zirkuslektionen einstudieren (hier geht’s zur Liste mit Ideen für Anfänger und Fortgeschrittene)
  • Abwechslung bieten: andere Wege gehen, nicht jeden Tag die Halle nutzen, auch bei grauem Himmel ins Gelände gehen

Zum Thema Offenstall kannst du hier weiterlesen: Offenstall Vor- und Nachteile & Pferd in Offenstall umstellen – darauf musst du achten

Hier geht’s zu unseren Ideen für mehr Abwechslung mit dem Pferd (nicht nur reiten, auch an der Hand).

Im Sommer kein Problem: Gas geben über die Wiese. Hat dein Pferd im Winter die gleiche Bewegung? Meistens nicht – was zu Problemen führt.

Wir kennen auch Pferde, die im Offenstall stehen und immer noch Energie wie für zehn haben. Hier bringt noch mehr Bewegung nicht den gewünschten Effekt. Lies daher bei Lösungsvorschlag 2 unten weiter.

Lösungsvorschlag 2: Fütterung überprüfen

Hafer sticht – das hast du sicherlich schon gehört. Hafer gibt deinem Pferd mehr Energie, die es durch Bewegung verbrauchen muss. Gibt es diese Möglichkeit nicht, dann entstehen durchgehende, wilde und herumbockende Pferde, sobald sie endlich wieder raus dürfen.

Die Füterung solltest du so anpassen, dass sie auf das Energielevel deines Pferdes passt. Zu gehaltvolle Mischungen und Zusätze sind eigentlich nur für Pferde im Spitzensport notwendig. Wenn du mit Muckel im Gelände herumeierst oder mit Fritz eine Stunde Reitunterricht hast, dann sind dies keine Höchstleistungen, für die die Pferde extra Futter bräuchten, um bei Kräften zu bleiben.

Bei unausgelasteten Pferden solltest du die Fütterung überprüfen: wie viel Energiegehalt erhält dein Pferd und wie viel bewegt es sich eigentlich nur?

Lösungsvorschlag 3: Homöopathie / Kräuter probieren

Einige Pferderassen sind von Natur aus hektischer als andere. Wahre Hektiker können Araber sein (die Ausnahme bestätigt die Regel) – in Kombination mit wenig Bewegung und zu viel gut gemeintem Athletenfutter wird aus dem Vierbeiner ein Nervenbündel.

Solltest du die wichtigsten Stellschrauben Haltung und Futter schon angepasst haben, merkst aber keine Verbesserung – auch nach mehreren Wochen nicht, dann kannst du Homöopathie versuchen. Hier wird auf natürliche Art und Weise das Nervenkostüm beruhigt.

Lass dich durch einen Profi beraten oder ziehe, wenn du eher skeptisch bist, einen Tierarzt hinzu.

Alternativ kannst du es auch mit Kräutermischungen probieren. Ausgesuchte Kräuter, wie Baldrian, haben eine ausgleichende Wirkung auf das Nervenkostüm. Das wird auch beim Menschen zur Beruhigung eingesetzt. Diese Mischungen kannst du übers Futter streuen (Achtung Turnierreiter: ausreichend vor dem Termin absetzen, ggfs. dopingrelevant).

Ist dein Pferd ausgeglichen, kannst du mit ihm gut zusammenarbeiten. Bei der Thematik der unausgelasteten Pferde spielen viele Faktoren eine Rolle: sieh dir auch an, wie du sonst mit deinem Pferd zurecht kommst. Sollte es ein Verständigungsproblem zwischen euch geben, solltest du das vordergründig angehen.

Kennst du unsere Artikel, dann weißt du wie sehr wir auf Kräuter schwören. Wir benutzen Kräuter bei Fellproblemen, zum Weidewechsel oder zur Unterstützung des Immunsystems und sind von den Ergebnissen bei unseren Pferden total begeistert.

Lösungsvorschlag 4: Tierarzt / Osteopath im Zweifelsfall das Pferd durchchecken lassen

Dein Pferd lebt nun 24/7 im Aktivstall, du reitest täglich und machst am Wochenende stundenlange Ausritte. Neben Äpfeln kriegt dein Pferd nur noch Mineralfutter, zusätzlich gibt es spezielle Nervenkräuter. Trotzdem bessert sich die Situation nicht.

Viele Symptome eines nicht ausgelasteten Pferde, wie zum Beispiel unter dem Sattel wegrennen, Widersetzlichkeit, Panik und Aufregung, können natürlich auch auf andere Krankheiten und Probleme hindeuten. Hast du dein Pferd auch im Sommer nicht wirklich unter Kontrolle, dann werden dir diese Probleme im Winter besonders unter die Nase gerieben, wenn dein Pferd kerniger wird. Hier wäre Arbeit an den Grundlagen der beste Weg, um euer Problem in den Griff zu bekommen.

Verspannungen und Blockaden können dein Pferd auch zu ausbruchsartigen Handlungen befähigen.

Zwickt es im Rücken oder piekst es beim Reiten, dann versucht dein Pferd sich so vor dem Schmerz und Unwohlsein zu befreien. Ein ausgebildeter Osteopath fühlt genau, wo es blockiert und wo dein Vierbeiner wieder eingerenkt werden muss. Der normale Freizeitreiter sieht dies nicht mit bloßem Auge, lass dir daher ruhig helfen und hilf damit vielleicht auch deinem Pferd.

Unausgelastete Pferde sind auf den ersten Blick durch zu wenig Bewegung sehr kernig. Du kennst dein Pferd am besten und weißt, ob andere Faktoren wie die Fütterung, gesundheitliche Probleme oder eine ungeklärte Rangordnung zwischen euch eine zusätzliche Rolle spielen.