Was ist ein Verlasspferd?

Pferde sind Fluchttiere, die bei Gefahr lieber das Weite suchen, als sich der Gefahr zu stellen. Denn Pferde können sich nicht wehren und sind im Zweifelsfall dem vermeintlichen Raubtier ausgeliefert. Durch die richtige Erziehung vertrauen Pferde ihrem Reiter, fühlen sich sicher und können zu sogenannten Verlasspferden werden.

Als Verlasspferd wird ein Pferd bezeichnet, welches bei Gefahren wenig bis gar kein Fluchtverhalten zeigt und im Umgang so gut erzogen ist, dass sich sein Reiter auf sein Pferd „verlassen“ kann. Im Umgang zeigt ein solches Pferd wenig unvorhergesehenes Verhalten, was den Reiter sein Pferd als verlässlich empfinden lässt. Dieses Verhalten ist meist das Ergebnis von Bodenarbeit, Training und einer klaren Aufteilung der Rollen zwischen Mensch und Pferd.

Natürliches Fluchtverhalten beim Pferd

Ein unbekanntes Geräusch, ein bewegter Schatten oder eine knisternde Plastiktüte – vieles kann bei Pferden Angst auslösen, welche sie zur Flucht animiert. Diese Momente treten meistens ohne Vorwarnung auf und bringen den Reiter und in manchen Fällen auch das Pferd selbst in Gefahr.

Da Pferde zu den Fluchttieren gehören, versuchen Sie durch Weglaufen oder Wegspringen der Gefahr zu entgehen.

Im Gegensatz dazu sind Raubtiere bei Gefahr zu einem Kampf bereit. Pferde gehören nicht zu den Raubtieren, sie fressen ausschließlich Gras und können sich bei Gefahr durch einen Kampf nicht wehren.

In der Herde fühlen sich Pferde sicher und trauen sich auch bei dem ober-gefährlichen-kamera-menschen vorbei. Alleine würde das schon anders aussehen.

Das Fluchtverhalten ist bei Pferden angeboren und sichert ihnen ihr Überleben, sodass der Fortbestand ihrer Art immer gesichert war. Dieses Verhalten steckt auch heute noch in jedem Pferd.

Die Zusammenarbeit mit dem Menschen – Fluchtverhalten vs. Verlasspferd

Die gemeinsame Arbeit zwischen Pferd und Mensch ist von der gleichen Dynamik geprägt, wie das Leben in seiner Pferdeherde.

Eine Pferdeherde bietet den Mitgliedern Schutz, sie teilt die Aufgaben zwischen Herdenboss und Herdenmitgliedern.

Hast du schon mal eine Pferdeherde gesehen, an der ein Traktor vorbeifährt? Die Herde wird ruhig stehen bleiben, solange der Chef nicht zur Flucht aufruft. Steht ein Pferd aus dieser Herde alleine auf der Weide, kann es gut sein, dass das in der Herde ruhige Pferd völlig panisch herumrennt, sobald der gleiche Traktor vorbeifährt.

Diese Situation zeigt sich auch in der Zusammenarbeit zwischen Pferd und Mensch: Ein Verlasspferd vertraut seinem Menschen so weit, dass es seinen Urinstinkt bei Gefahr nicht auslebt. Es fühlt sich sicher und muss nicht mehr alleine entscheiden, wann es flüchten muss und wann es bleiben kann.

Kennst du den Begriff des Verlasspferdes noch nicht, dann können dir viele unserer beliebtesten Artikel mehr Infos zum Hobby Pferde & Reiten geben:

In jedem Verlasspferd steckt immer ein Fluchttier

Verlasspferde sind nicht umsonst bei Reitern beliebt und begehrt: der Umgang mit ihnen ist einfacher und unkompliziert, da sie nicht das typische Fluchtverhalten oder sonstige Unarten an den Tag legen.

Einen Grundsatz solltest du dir gut merken: Jedes vermeintliche Verlasspferd ist und bleibt immer noch ein Fluchttier. Sein Urinstinkt lässt im Falle des Falles, immer dann, wenn niemand damit rechnet, doch sein Fluchtverhalten an den Tag legen.

Dies können ganz verschiedene Situationen sein, die auch Verlasspferde wieder zu wegspringenden und durchgehenden Pferden machen können: Ungewohnte Fahrzeuge bei einem Ausritt, laute Geräusche, andere Tiere im Wald – alles, was Pferde irgendwie an Beutetiere erinnert, kann immer den Fluchtinstinkt auslösen.

Werden Verlasspferde bereits ruhig und lieb geboren? Wie viel spielt die Erziehung eine Rolle?

Wie du jetzt weißt, zeigen Verlasspferde wenig unvorhergesehenes Verhalten. Sie sind nicht so schreckhaft, wie Pferde dies normalerweise sind – wie werden Verlasspferde so ruhig?

Bei unseren drei Connemaraponys können wir gut sehen, wie viel vom Charakter eine Rolle beim Thema Verlasspferd spielt. Unseren Jüngsten haben wir bereits, seitdem er ein Jahr alt ist. Er war schon als Fohlen neugierig, unerschrocken und schnell etwas aufmüpfig.

Ganz anders sein Halbbruder Harki: Beim Probeführen mit 1,5 Jahren, schlurfte er langsam durch den Wald, den er mit uns und seiner Züchterin zum ersten Mal betreten hat. Vorbeifahrende Autos an der Landstraße sah er mit großen Augen an und dann – ging er langsam weiter.

Ein absoluter Angsthase ist unsere Stute Dubi von Tag eins an: Alles außerhalb des Reiterhofes ist ihr nicht ganz geheuer. Geht jemand zu Fuß vor ihr her ist alles in Ordnung, dann wird sie ja nicht als erstes gefressen (denkt sie wahrscheinlich). Aber ein Ausritt ganz alleine nur mit dem Reiter ist viel zu aufregend, da springt sie schon mal zur Seite.

Dubi braucht Begleitung im Gelände, um sich sicher zu fühlen. Hier unter ihren Freunden fühlt sie sich wohler.

So wie wir die Eigenheiten seit dem ersten Tag wahrgenommen haben, so sind sie im Kern geblieben. Durch viel Training, Bodenarbeit und gezieltes Schrecktraining an Straßen, auf Planen und mit Fahnen konnten wir die Zusammenarbeit entspannen und durch eine klare Aufgabenverteilung (ich Monster-suchen du hinter-mir-herlaufen) unvorhergesehenes Verhalten reduzieren.

Wir haben das Gefühl, dass der angeborene Charakter bei Pferden auch eine Rolle in ihrem natürlichen Verhalten spielt. Trotzdem kann mit richtigem Umgang aus jedem Pferd das Optimum an entspanntem Verhalten herausgeholt werden.

Der Sicherheitsaspekt bei einem Verlasspferd

Im Umgang mit Pferden entstehen die meisten Probleme, weil die Rollen zwischen Pferd und Mensch nicht geklärt sind. Wer sagt wem was er machen soll?

Durch Bodenarbeit bringen wir den Pferden bei, dass wir die Kontrolle über ihre Bewegungen haben. Zusätzlich lernen sie, dass sie uns ihre Aufmerksamkeit zuwenden sollen und nicht der wild herumgaloppierenden Herde auf der benachbarten Wiese. In der Kombination mit konsequentem Verhalten agieren wir so, wie es der Boss in der Pferdeherde auch macht.

Mit diesem Verhalten wird das Vertrauen zwischen Pferd und Mensch immer größer, sodass ein vermeintliches Verlasspferd erzogen wird. Bei Gefahren „fragt“ dieses Pferd seinen Menschen und entscheidet nicht mehr alleine, was es als nächstes tut.

Dies sollte das Ziel für jedes Training und den Umgang mit dem Pferd sein. Je verlässlicher ein Pferd, desto geringer wird die Gefahr im Umgang. Im Gegensatz dazu können Pferde, die immer auf eigene Entscheidungen hin handeln, für uns Menschen zur Gefahr werden. Wenn dein Pferd durchgeht, weil ihm etwas nicht geheuer ist oder scheut, kann das zu einem Sturz oder noch mehr Konsequenzen führen.

Auch bei einem Verlasspferd (und sowieso bei allen Pferden) solltest du niemals ohne Helm reiten und nicht leichtsinnig und übermütig werden. Grundregeln im Umgang mit dem Pferd sollten auch bei Verlasspferden angewendet werden – das vermeintliche Verlasspferd kann jederzeit anders reagieren, als du dir das vorgestellt hast.

Mehr Infos zu Verlasspferden – und wie du sie findest

Möchtest du jetzt wissen, welche Pferderassen vielfach Verlasspferde sind und im Durchschnitt gut händelbar sind, dann sieh dir unseren Artikel zum Thema – Welches Pferd als Freizeitpferd. Dort erklären wir dir, welche Pferderassen sehr oft bei Freizeitreitern als verlässliche Partner zum Einsatz kommen.

Besonders oft hören wir die Frage, ob Haflinger (eine der beliebtesten Rassen bei Freizeitreitern) als Anfängerpferde geeignet sind. Diese Frage zu beantworten ist nicht so einfach, wie du denkst – darum sieh dir den ausführlichen Artikel über die beliebten Hafis hier an.