Ein Pferd – mehrere Besitzer – worauf du schon vorher achten solltest

Zu zweit oder zu mehreren scheint der Pferdekauf schnell greifbar. Wenn wir das Pferd nicht alleine besitzen, sondern die Schwester, Freundin oder sogar per Vertrag eine fremde Person das Pferd mit uns teilt, können sich viele Vorteile, aber auch Nachteile ergeben.

Die Grundidee: Ein Pferd und zwei/drei/viele Besitzer, die sich das Reiten, die Pflege und die Kosten teilen

Zunächst erscheint dir die Idee vielleicht großartig: Du kaufst gemeinsam mit Bekannten/Verwandten/Freundin/… ein Pferd. Ihr teilt euch nicht nur dieses Pferd, sondern alles, was sonst noch dazu gehört:

  • Ihr wollt die Boxenmiete teilen.
  • Jeder reitet die gleiche Anzahl an Tagen pro Monat.
  • Immer abwechselnd wird auf Turnieren geritten.
  • Der Kaufpreis geht natürlich auch durch zwei/ drei/…

Dies klingt erst einmal richtig gut, denn so wird ein Pferd womöglich auch für dich erschwinglich. Auch von der Zeit her wird die Anzahl an Tagen pro Woche realistisch.

Doch einige Punkte solltest du beachten, wenn du wirklich vor hast, dir mit weiteren Leuten ein Pferd zu kaufen. Auch wenn ihr nur zu zweit seid.

Wir besitzen drei Pferde, das heißt, jeder hat ein eigenes und eines teilen wir uns. Davor hatten wir jahrelang ein Pferd zu zweit. Daher können wir dir sehr gut von der Realität dieser Konstruktion erzählen.

Hast du im Moment eine Reitbeteiligung und überlegst, ein eigenes Pferd zu kaufen, kannst du dich hier zum Thema noch mehr informieren: Reitbeteiligung oder eigenes Pferd – eine Entscheidungshilfe.

Zunächst einmal die Vorteile, wenn dein Pferd gleich mehrere Besitzer hat.

Vorteile bei mehreren Besitzern für ein Pferd

Jeder kennt seine Vorlieben und Stärken. Du bist vielleicht richtig gut in der Bodenarbeit und findest Dressurarbeit im Viereck einfach langweilig. Vorteil ist es, dass dein Pferd so sehr vielfältig ausgebildet wird.

Einer springt gerne, der andere geht entspannt ins Gelände. Eine gute Kombination, wenn ihr euch wirklich ergänzt.

Vielleicht seit ihr aber auch ganz ähnlich und könnt so an der Ausbildung eures Pferdes an einem Strang ziehen.

Wer sich die Arbeit aber auch die schönen Seiten teilt, kann auf der einen Seite seine Erfahrungen teilen, aber auch vieles besprechen. Niemand kennt euer Pferd so gut und genau wie ihr beide!

Gerade im Austausch entstehen Hilfestellungen, die euch gemeinsam voranbringen.

Wir gucken immer, was der andere mit dem Pferd macht. Vieles sieht man als Außenstehender einfach besser – gegenseitig kann man sich Tipps geben und sieht sofort, wenn etwas schief läuft. Schließlich kennt jeder dieses eine Pferd wirklich in- und auswendig.

Nachteile bei mehreren Besitzern für ein Pferd

Bevor du die Entscheidung triffst, ein Pferd mit einer oder mehreren weiteren Besitzerinnen zu kaufen, gibt es ein paar Nachteile:

  • Alleinige Besitzer haben die Möglichkeit alleine zu entscheiden, dieses erspart einige Konflikte. Viele Besitzer mit vielen Meinungen müssen zunächst auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden.
  • Tierärztliche Behandlungen bestimmen über das Wohlbefinden deines Pferd – gerade in diesem Punkt können eure Streitereien zulasten des Pferdes gehen.
  • Es kann immer nur einer zur Zeit reiten, egal ob auf dem Turnier, in der Reitstunde oder beim Ausritt. Es muss die gesamte Zeit mit dem Pferd aufgeteilt werden.

Wir teilen uns schon lange unsere Pferde und können sagen, ihr braucht dafür eine große Portion Toleranz und die absolute Bereitschaft, immer an einem Strang zu ziehen.

Wenn ihr immer im Wohle des Pferdes entscheidet, kann es mit mehreren Besitzern klappen.

Diese Fragen solltet ihr vor einem Kauf schon diskutieren – hier lauern Streitpunkte!

Alle Grundlagen, die zum Besitz eines Pferdes gehören, sollten schon vor dem Kauf geklärt werden. Dies betrifft grundsätzliche Themen, wie zum Beispiel:

  • Wie soll das Pferde gehalten werden? Boxenhaltung, kombinierte Boxen- und Weidehaltung, Innen-/Außen-/Paddockbox, Laufstall, Offenstall, Aktivstall, Haltung in Eigenregie,…
  • Wie soll das Pferd gefüttert werden? Was haltet ihr grundsätzlich von der Fütterung von Zusatzfuttermitteln, Müslis, Mash, Hafer, Pellets, …
  • Dürfen Leckerlies gegeben werden und wenn ja, wie?
  • Wie wollt ihr das Pferd ausbilden? Gibt es eine Reitlehre, die ihr zur Ausbildung heranzieht: klassische Reitlehre, Schule der Légèrté, …
  • Welche Ausrüstung braucht euer Pferd als Grundausstattung und was nicht? Die Erstausrüstung kauft ihr vielleicht gemeinsam, alles weitere jeder für sich: zusätzliche Satteldecken, Gamaschen, Halfter, …

Sieh dir unseren Beitrag zur Ausrüstung für Reitanfänger an, denn nicht nur dein Pferd, sondern auch du benötigst eine Grundausrüstung zum Reiten.

Dies sind bereits einige Fragen, die euch beschäftigen werden. Versuche, sie so genau wie möglich zu beantworten.

Einige Themen werden sich wieder ändern, da jedes Pferd ein Individuum ist und seine ganz eigenen Bedürfnisse hat, auf dir ihr eingehen müsst. Wer vorab schon alle Möglichkeiten durchspricht, kennt die Meinung der oder des anderen.

Trotzdem gibt es einige Fallstricke, die erst auftreten, wenn der Ernstfall eintritt.

Daher haben wir hier für dich verschiedene Szenarien aufgeführt, die zu einem Streit führen könnten:

  • Was ist, wenn dir die Ausbildungsmethoden der anderen nicht gefallen? Wie tolerant wärst du und wann könntest du das nicht mehr akzeptieren?
  • Wie geht ihr mit einer anderen Meinung um, zum Beispiel zu Ausrüstung, Haltungsform, Fütterung, Hufpflege, tierärztlichen Behandlungen?
  • Was passiert, wenn das Pferd auf jeden anders und auf dich schlechter reagiert? Bei dir hört es zum Beispiel nicht so gut, da verschiedene Reiter unterschiedliche Hilfen beibringen.
  • Was passiert, wenn hohe Tierarztrechnungen bezahlt werden müssen? Was ist, wenn der andere gerade kein Geld hat?
  • Wie entscheidet ihr euch, wenn ihr vor der Entscheidung steht, eine teure OP machen zu lassen oder das Pferd ist nicht mehr reitbar? Was ist, wenn ihr anderer Meinung seit? Wer zahlt dann und kann der andere bei einer anderen Meinung immer noch Mitbesitzer sein?
  • Wenn dein Pferd stirbt – wer bezahlt diese letzten anfallenden Kosten?
  • Was ist, wenn das Pferd auf den Gnadenhof kommen soll – wer bestimmt das und was macht ihr, wenn ihr anderer Meinung seit?
  • Was ist, wenn euer Pferd sich verletzt? Verletzt sich das Pferd mit einem von euch – könntet ihr weiterhin die gleiche, gleichberechtigte Beziehung mit dem Pferd führen?
  • Wer kann auf Turnieren starten – und könnt ihr gegeneinander reiten? Wer darf welche Disziplin reiten? Wollt ihr beide eine Turnierkarriere mit einem Pferd planen?
  • Was macht ihr, wenn einer die Lust verliert und das Reiten aufgeben möchte? Kann einer sich einer von euch ein Pferd alleine leisten? Verkauft ihr das Pferd dann?

Viele dieser Fragen werden im Falle eines Falles zu großen Problemen führen können. Wer zusammen ein Pferd kauft, sollte vorab bereits alle Eventualitäten abklopfen und klären können.

Wenn ihr die Ergebnisse dieser Fragen schriftlich festhaltet, dann sichert das euer Pferd im Ernstfall ab. Frage dazu am besten bei einer Rechtsberatung nach, wenn ihr schon jetzt unterschiedlicher Meinung seid!

Im Ernstfall zerstreitet ihr euch und am Ende leidet das Pferd, das eigentlich nichts dafür kann.

Die Alternative zu mehreren Besitzern: Ein Besitzer und eine oder mehrere Reitbeteiligungen

Wer es sich finanziell oder von dem Zeitaufwand her nicht leisten kann, ein Pferd zu besitzen, der kann auch das folgende, bekanntere Modell wählen: Reitbeteiligungen!

Welche Aufgaben eine Reibeteiligung hat und welche Verantwortung sie trägt, verraten wir dir in diesem Artikel: Reitbeteiligung sein.

Die Idee ist ein Besitzer, dem das Pferd offiziell gehört und der die volle Verantwortung für Kosten, Versorgung und Gesunderhaltung des Pferdes trägt. Zusätzlich bezahlt eine Reitbeteiligung Geld an den Besitzer und reitet dein Pferd an einigen Tagen in der Woche.

Solltest du nicht genügend Geld und auch nicht genügend Zeit für ein Pferd haben, um es sieben Mal die Woche im Stall zu besuchen, dann übernimmt eine Reitbeteiligung einige Tage. Zusätzlich bezahlt sie dir einen gewissen Betrag, je nach der Anzahl der Tage.

Die Verantwortungen sind besser geregelt und bei wichtigen Entscheidungen zählt nur eine Meinung: immer die des Besitzers.

Alternativ gibt es die Möglichkeit einer Pflegebeteiligung. Hier bleibst du Besitzer und trägst die volle Verantwortung, deine Pflegebeteiligung kümmert sich um dein Pferd und reitet nicht. Zusätzlich erhälst du Geld dafür und kannst die Zeit zur Versorgung deines Pferdes mit jemandem teilen.

Zusammenfassung – solltest du ein Pferd mit mehreren Besitzern kaufen oder lieber nicht?

Die Verantwortung einem Pferd gegenüber steht über den Streitigkeiten, die bei mehreren Besitzern schnell auftreten können.

Je mehr Meinungen zusammentreffen, desto schwieriger wird der Besitz eines Pferdes.

Vorteile bei mehreren Besitzern sind die Kosten und die Zeit, die ihr euch aufteilen könnt. Ihr könnt von einander lernen und eure Stärken beim Training einsetzen. So lernt dein Pferd von jedem das Beste.

Nachteilig sind die sehr vielen unklaren Situationen, in die ihr kommen könnt. Ein Beispiel wäre ein Unfall, der dem Pferd passiert – was macht ihr, wenn einer gegen die teure OP ist? Wer zahlt und welche Meinung zählt dann.

Bei mehreren Besitzern zählt immer nur das Wohl des Pferdes – solange dieses nicht unter euren möglichen Streitereien leidet, ist dies eine gute Idee.

Diskutiert so viele Fragestellungen wie möglich – was wäre, wenn? – bereits bevor ihr das Pferd besitzt. Damit könnt ihr bereits im Vorwege einige Streitpunkte umschiffen. Ideal wäre es, wenn ihr eure Ergebnisse auch schriftlich festhaltet.

Alternativ wäre die Konstellation eines Besitzers plus Reitbeteiligung oder Pflegebeteiligung eine Variante, die klare Verantwortungen mit sich bringt. Hier ist die Meinung des einzigen Besitzers immer die, die am Ende und in schwierigen Situationen zählt.