Was macht einen guten Reitstall aus – die wichtigsten Merkmale

Mit einem Pferd verbringst du die meiste Zeit im Reitstall, kein Wunder, dass dieser Ort passen muss: für dich und auch für dein Pferd. Woran du sofort erkennst, ob dieser Reiterhof zu dir und deinem Vierbeiner passen könnte, das wollen wir dir in diesem Artikel verraten.

Faktoren, die für einen guten Reitstall sprechen sind die artgerechte Haltung der Pferde, eine angenehme Stallgemeinschaft, gute Trainingsmöglichkeiten, Reitlehrer und Reitunterricht vor Ort, die Qualität des Betriebes mit Futter, Einstreu, Instandhaltung, die Erreichbarkeit und natürlich die Kosten.

Faktor 1: Artgerechte Pferdehaltung

Wir haben schon in vielen Ställen die Erfahrung gemacht: entweder dein Pferd hat ein artgerechtes Leben – oder du hast gute Trainingsmöglichkeiten. Das Ideal wäre die Kombination. Aber zum ersten Faktor, der zu einem guten Reiterhof gehört.

Ohne artgerechte Pferdehaltung wird dein Pferd nicht sein volles Potenzial ausschöpfen können und du riskierst Krankheiten. Diese können körperlich aber auch psychisch sein, wenn du an die typischen Verhaltensstörungen Koppen oder Weben denkst.

Wie sollte gute Pferdehaltung aussehen?

  • Keine dunklen Innenboxen mehr (leider immer noch zu sehr verbreitet)
  • ausreichend große, helle Boxen mindestens mit Fenster, lieber mindestens mit Paddock
  • Lauf- oder Offenstall oder eine andere, artgerechtere Haltungsform, z.B. ein Aktivstall
  • täglicher Weidegang oder mindestens Bewegung auf dem Paddock
  • direkter Kontakt zu anderen Pferden im Herdenverband
  • direkter Kontakt zu anderen Pferden auch in der Box, mindestens Sichtkontakt
  • mehrere Futterportionen über den ganzen Tag verteilt (drei Portionen am Tag entsprechen den menschlichen Bedürfnissen, nicht denen unserer Pferde)
  • Qualitativ hochwertiges Heu/Silage und Stroh
  • regelmäßig gemistete Boxen
  • gut durchlüftete und helle Stallungen

Direkter Kontakt zu Artgenossen, viel Luft, Licht und Bewegung sind die Vorraussetzung für artgerechte Pferdehaltung.

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Faktor 2: Trainingsmöglichkeiten

Zuerst ist dein Pferd glücklich mit seinem Leben in dem von dir ausgesuchten Reitstall. Als nächstes sind deine Bedürfnisse abzudecken: je nach deiner reiterlichen Ausrichtung, werden ganz andere Trainingsmöglichkeiten dich glücklich machen.

Mindestens ein Reitplatz oder ein umzäunter Round Pen haben sich für ein gutes Training als Mindestvoraussetzung erwiesen.

Bietet dein Reitstall Hallen und andere Plätze, achte unbedingt auf die Bodenverhältnisse. Reiten viele Reiter mit ihren Pferden durch normalen Sandboden, entstehen tiefe Böden. die auf lange Sicht bei vielen Pferden zu Krankheiten führen können.

Gute Reitböden sind weder zu hart noch zu weich und können zusätzlich auf Außenplätzen Wasser in die unteren Schichten ableiten. Pfützen bringen dir auf einem Außenplatz nicht viel, ein qualitativ hochwertiger Reitboden ist auch nach einem Regenguss noch gut nutzbar.

Frage dich bei einer kleinen Reithalle, wie die Verhältnisse im Winter sind, wenn sehr viele Reiter gleichzeitig auf 20 x 40 Metern ihre Pferde bewegen. Hat dein Pferd Probleme damit, wenn andere Pferde zu nah kommen oder neigt es dazu auszuschlagen? Je mehr sich die Reiter verteilen können, umso besser.

Ein guter Reitstall bietet ausreichend Trainingsmöglichkeiten für alle eingestellten Pferde.

Besonders eine im Reitstall vorhandene Reitschule kann die vorhandenen Reitmöglichkeiten verkleinern. Informiere dich vorab, ob die Halle zu bestimmten Zeiten geblockt wird oder der Unterricht jeden Sonntagvormittag in der einzigen Reithalle stattfindet.

Neben den Trainingsmöglichkeiten solltest du dir auch das Ausreitgelände genauer ansehen. Mache unbedingt einen kleinen Spaziergang durch das umliegende Gebiet und sieh dir die Reitwege genau an. Nicht selten gibt es entweder keine extra ausgewiesenen Reitwege und du musst viel auf Asphalt reiten oder dir den Weg mit Autos und Traktoren teilen.

Oftmals sind die Reitwege auch sehr tief und haben schlechte Bodenverhältnisse. Sieh dir die Situation vor Ort an und besorge dir eine Reitwegekarte von deinem Gebiet, sofern es so eine Karte gibt.

Hat der Reitstall Zugang zu einem Ausreitgelände, ist das von Vorteil.

Ein schöner Bonus ist eine Schritt-Runde am Reitstall. So kannst du vor dem Training draußen eine Runde drehen und kannst das Aufwärmen gut auflockern. Auch eine Galoppbahn ist dafür gut geeignet.

Faktor 3: Betreuung + Reitlehrer / Reitunterricht vor Ort

Ein guter Reitstall kann sich darauf einstellen, dass du deinen eigenen Reitlehrer mitbringst oder bietet dir den für dich passenden Reitunterricht.

In einigen Reitställen ist es nicht gewünscht, dass du einen anderen Reitlehrer mitbringst, als diejenigen, die im Reitstall bereits ansässig sind. Informiere dich daher in jedem Fall vorab, falls du vorhast, deinen Reitlehrer mitzubringen.

Wir haben einen großen Übersichtsartikel über die Kosten geschrieben, die Reitunterricht kostet. Mit genauen Preisen von Reitschulen in ganz Deutschland und Österreich. Du kannst ihn dir hier ansehen und gleich herausfinden, ob du mehr oder weniger als der Durchschnitt bezahlst.

Zu einem guten Reitstall gehört auch eine gut geführte Reitschule, sofern beide zusammen in diesem Stall sind. Abgestumpfte Schulpferde, die keine Weide sehen und lustlos ihre Runden drehen, sollten für dich Grund genug sein, diesen Reitstall nicht auszuwählen.

Ein guter Reitstall sollte dir das Maß an Betreuung bieten, welches dir und deinem Pferd am besten passt. Das kann Weidedienst sein, Fütterung oder Bewegung durch einen Bereiter, wenn du das möchtest.

Frage genau nach, welche Dienste rund ums Pferd in Anspruch genommen werden können, damit du weißt, wie viel du machen musst.

Faktor 4: Ist der Reitstall gut gepflegt?

Ein guter Reitstall erfordert einen Besitzer, der sich kümmert: um das morsche Koppeltor und die stabilen Weidezäune. Um die pünktliche Fütterung und die Organisation wann welches Pferd mit wem auf welcher Weide steht.

Wenn du den Reitstall besichtigst, achte auf folgende Merkmale:

  • Wie ist der Zustand der Gebäude? Baufällige Stallungen stellen eine Gefahr für dein Pferd dar.
  • Wie sehen die eingestellten Pferde aus? Sie zeigen dir, wie gut die Versorgung funktioniert.
  • Gibt es Angestellte, erledigen die Einsteller als selbst? Wie gehen die Menschen mit den Pferden um?
  • Sind die Reitplätze und -hallen abgeäppelt und der Boden gepflegt?
  • Sind die Boxen sauber und frisch eingestreut?
  • Sind die Weiden abgeäppelt und sicher eingezäunt?
  • Sind die Paddocks ebenfalls sauber und ordentlich hinterlassen?

Besonders den Punkt, ob die Einsteller viel selbst erledigen, ist von Bedeutung. Ziehst du hier später ein, solltest du dir vorher klar sein, wie viel Stallarbeit für dich anfällt. Hast du bis jetzt nur die Box gemistet und ein paar Mal die Weide abgeäppelt, kann ein Weidedienst an jedem Wochenende schwierig werden, wenn du dort nie Zeit oder Lust hast.

Das Thema Sicherheit solltest du auch nicht außer Acht lassen: neben Feuerlöschern sollten Notausgangszeichen in den Gebäuden sein und Flucht- und Rettungswegpläne. Dort, wo Futter gelagert wird, sollten Hinweise sein, dass dort nicht geraucht werden darf und ähnliches.

Ein von außen gepflegt aussehender Reitstall ist auf den ersten Blick ein guter Reitstall, doch es gibt noch mehr Punkte, die du beachten solltest.

Faktor 5: Erreichbarkeit

Ein guter Reitstall sollte einen immerhin entfernten Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel bieten. Er sollte so liegen, dass du ihn von deinem Zuhause gut erreichen kannst und im Falle des Falles auch mal ohne Auto zum Pferd kommen kannst.

Zu lange Fahrzeiten mögen am Anfang noch in Kauf genommen werden, mit der Zeit wird dich die Pendelei zum Pferd jedoch ganz schön anstrengen. Mehr als eine halbe Stunde Fahrtzeit von dir zu Hause solltest du dir daher gut überlegen.

Faktor 6: Kosten des Reitstalles

Nicht der wichtigste Punkt, aber immer noch ausschlaggebend. Die Kosten, die der Reitstall für dich bedeutet. Ein guter Reitstall zeigt dir transparent was wie viel kostet, was du selbst machen musst und wofür du zusätzliches Geld zahlen müsstest.

  • Wie hoch ist die Stallmiete?
  • Welche Leistungen sind in der Stallmiete bereits enthalten?
  • Welche Leistungen kosten zusätzlich?
  • Muss Futter extra bezahlt werden?
  • Welches Einstreu ist im Preis enthalten?
  • Gibt es einen Reitverein, dem man zwingend beitreten muss?
  • Ist die Nutzung der Reitanlage bereits im Preis enthalten?
  • Ist Weide- und Paddockzeit im Preis enthalten?
  • Gibt es Kosten für eine Plakette zum Ausreiten?

Gute Reitställte starten mit dem Basispaket und bieten dir alle Wahlmöglichkeiten.

Extra-Faktor 7: die Stimmung im Stall

Neben all den objektiven Kriterien, spielt für uns die Stimmung bei einer Stallbesichtigung immer eine große Rolle. Was bringt dir eine artgerechte Pferdehaltung mit riesigen Reithallen, wenn du dich einfach nicht wohlfühlst?

Bei deiner Besichtigung solltest du darauf achten, ob die anderen Einsteller dich begrüßen oder nicht. Aus unserer Erfahrung erkennst du so schnell, wie anonym es in dem Stall ist. Fällst du als neuer Besucher gar nicht auf, dann kann es sein, dass die Einsteller untereinander wenig Kontakt haben.

Positiv ist es, wenn du direkt gefragt wirst, ob dich jemand herumführt oder dir der Stallbesitzer sogar gleich die Anlage zeigen will.

In einem guten Reitstall werden auch die Pferde gut behandelt, deshalb solltest du einen Abstecher in die Reithalle machen und beim Training zugucken. Wie ist die Stimmung? Wie läuft der Reitunterricht ab und was wird von den Pferden verlangt? Daran kannst du sehen, ob dieser Reitstall mehr auf ambitionierte Turnierreiter oder doch auf Freizeitreiter zugeschnitten ist.

Ein guter Reitstall sollte zu dir und deinem Pferd passen – mit einem Isländer kannst du dir im überregionalen Reitverein fehl am Platze vorkommen, mit dem Hannoveraner Turnierpferd (hallo Vorurteile – du weißt, was wir meinen) im privaten Offenstall auch. Was zu dir und deinem Pferd passt, wirst du bei einer Besichtigung schnell feststellen können.